Von Sabine Rutar

Neun Jahre Schulalltag sind plötzlich und endgültig zu Ende. Wir haben das Abitur in der Tasche, Tür und Tor in eine glorreiche Zukunft scheinen uns offen zu stehen. Doch die Entscheidung für diesen oder jenen Beruf wird zu einem gewaltigen Ringen. Zweifel an den eigenen Fähigkeiten werden plötzlich riesengroß.

Ich kehrte nach einigen Ausflügen in pädagogische, soziale, handwerkliche und künstlerische Berufsfelder wieder an meinen Ausgangspunkt zurück: den Journalismus. Dieser Schritt kann falsch sein, aber allmählich habe ich mich von der Vorstellung gelöst, diese Entscheidung müsse mein gesamtes Leben bestimmen. Meine Träume gewinnen Gestalt. Helfen kann mir keiner, zu entscheiden habe ich nie gelernt. Zweifel sind geblieben, Angst auch. Aber: Wer kann sich seines Weges schon sicher sein?

Andere haben andere Träume. K. zum Beispiel. Er will Pilot werden. Dafür würde er sich „mehr als nur die Plomben rausnehmen lassen“. Auch zwölf oder gar fünfzehn Jahre Bundeswehr schrecken ihn nicht.

C. ist ganz anders. Er macht sich viele Gedanken über den Sinn dieser Welt. Er will Theologie studieren.

U.s Traum heißt Stewardeß. Seit einem Jahr lernt sie neben der Schule intensiv Französisch. Sie besteht alle Tests der Lufthansa und scheitert nur daran, daß sie keinen längeren Auslandsaufenthalt vorweisen kann. Halb so schlimm, dann wird sie eben erst eine Ausbildung zur Hotelfachfrau absolvieren. Sie war sowieso die jüngste unter den Bewerberinnen.

Doch nicht allen geht es so. Viele scheitern an ihrer Unfähigkeit, Entscheidungen zu treffen oder Ziele überhaupt zu formulieren. Zu lange haben sie nur das getan, was andere von ihnen verlangten. Wichtig waren während unserer gesamten Schulzeit nur die nackten Ziffern, die das Zeugnis zu einem Türöffner ins nächste Jahr machten.