Wo unsagbares Grauen so zum Himmel schreit wie an dem Ort, der Auschwitz heißt, kann vielleicht nur Schweigen ein dauerhaftes Sühnezeichen setzen – so wie es zehn still betende Nonnen des Karmeliten-Ordens tun, die am Rande des KZ-Geländes im einstigen Lagerhaus ein Kloster eingerichtet haben.

Doch peinliches Ärgernis mußte der Aufruf erregen, mit dem eine ebenso eifrig-wohltätige wie antikommunistisch-eifernde Organisation („Kirche in Not“) Dollars für den Klosterbau gesammelt hatte: Dieser Karmel in Polen werde eine „geistige Festung“ und eine „Bürgschaft für die Bekehrung der irrenden Brüder“ sein. Kein Wort davon, daß dies vor allem der Tatort der Vernichtung von Millionen Menschen ist, nur weil sie Juden waren.

Verständlich also, daß es weltweit Proteste von Juden gab, die das Symbol ihrer Tragödie gleichsam katholisch vereinnahmt empfanden. Werden sie sich aber besänftigen lassen durch eine wohlmeinende Erklärung von vier Kardinälen (aus Krakau, Paris, Lyon und Brüssel) und fünf jüdischen Gemeindevorstehern, die jetzt in Genf zusammensaßen? Ihr Text erwähnt das Auschwitz-Kloster nicht; mündlich nur wurden sie sich einig, daß es „vorläufig“ bleiben, dann „versetzt“ werden soll. Die Peinlichkeit bleibt so oder so. Nur die schweigenden Nonnen sind ihr enthoben. Hjst.