Wenn Richard Wagner heute lebte, arbeitete er in Hollywood – meinte schon vor zwanzig Jahren sein Enkel Wieland. Dessen Bruder Wolfgang, der als Bayreuther Festspielleiter und damit Testamentsvollstrecker das Festspielhaus mit Vorliebe als „Werkstatt“ bezeichnet, will jetzt die Konsequenzen ziehen: Im kommenden Jahr soll der Filmregisseur Werner Herzog, der nach eigenen Worten noch kein halbes Dutzend Opern gesehen hat, aber im italienischen Bologna so Deutsches wie Busonis „Faust“ in Szene setzte, den „Lohengrin“ inszenieren.

Hat die Ära der hausgemachten Biederkeit wie des Glanzes der eingekauften Star-Opernregisseure (Everding, Ponnelle, Friedrich, Hall) sich endgültig abgenutzt? Beginnt die Zeit eines neuen, eines übertragenen Realismus?

„Die Wirklichkeit Ihrer Welt“, läßt Herzog in seinem Film „Fitzcarraldo“ seinen Titelhelden – einen Phantasten, der unbedingt im Dschungel ein Opernhaus errichten möchte – sagen, „ist nur eine schlechte Karikatur von dem, was Sie sonst in großen Opernaufführungen sehen.“ Herzog wird doch nicht Bayreuth mit Bolivien, den Kahn-ziehenden Schwan nicht mit den Sklaven verwechseln, die ein Schiff über die Hügel ziehen? „Ihr lebt“, heißt es dort, „in der Vorstellung, daß unser gewöhnliches Leben nur eine Illusion darstellt, hinter der sich die Realität der Träume verbirgt.“

H. J. H.