Nach dem Attentat auf den Siemens-Manager Beckurts und seinen Fahrer Groppler hatte Generalbundesanwalt Rebmann vor möglichen weiteren Anschlägen der RAF gewarnt. In der vergangenen Woche bewahrheiteten sich seine Prophezeiungen.

Am vergangenen Donnerstag explodierten gegen fünf Uhr morgens zwei Bomben vor dem Fraunhofer-Institut für Lasertechnik in Aachen. Die erste riß ein Loch in die Hauswand, die zweite hob das Tor aus den Angeln. Die Explosionen waren so stark, daß noch 500 Meter weiter Bombensplitter gefunden wurden.

Einer der Sprengsätze war, wie beim Straßlacher Attentat auf Beckurts, in einer wohl für die Bundesbahn angefertigten Propangasflasche untergebracht. Die Fahnder vermuten deshalb, daß die bisher unbekannte „Kämpfende Einheit Sheban Atlouf“, die sich in einem Brief zu dem Aachener Anschlag bekannte, aus dem „Umfeld der RAF“ stammt. Für diese Vermutung spricht auch das Anschlagziel: Die Täter glaubten wahrscheinlich, das Fraunhofer-Institut arbeite für SDI und sei damit Teil der „Militärmaschine“. Doch die Aachener Wissenschaftler forschen zwar an der Nutzung der Lasertechnik in Industrie und Medizin, nicht aber im militärischen Bereich.

Der zweite Anschlag der vergangenen Woche ereignete sich einen Tag später am frühen Morgen beim Luft- und Raumfahrtkonzern Dornier in Immenstaad am Bodensee. Ein im Selbstlaborat gemischter Sprengstoff war in einer Haushaltsgasflasche in einem gestohlenen VW-Golf Diesel deponiert worden; er explodierte auf dem Firmenparkplatz. Kurz vor der Detonation hatten die Täter den Pförtner telephonisch gewarnt. 250 Fensterscheibe gingen zu Bruch.

Auch bei Dornier fand man ein Bekennerschreiben einer „Kämpfender Einheit“. Ansonsten aber tappen die Fahnder bei der Suche sowohl nach den Tätern von Aachen als auch von Immenstaad im dunkeln. Ähnlich sieht es auch bei der Fahndung nach den Mördern von Karl-Heinz Beckum und Eckhard Groppler aus: Auch nach der Auswertung von bisher rund der Hälfte der 1200 Hinweise aus der Bevölkerung zu dem Attentat von Straßlach gibt es noch keine heiße Spur. Nur einen Verdacht: Der zur RAF gehörende Horst Ludwig Meyer und seine Ehefrau Barbara sollen an dem Anschlag beteiligt gewesen sein. M.