Nach den Parlamentswahlen in Thailand hat Ministerpräsident Prem Tinsulanonda gute Aussichten, an der Spitze einer Koalitionsregierung im Amt zu bleiben.

Voller Genugtuung kommentierte die Bangkok Post den friedlichen Verlauf der Parlamentswahlen am vergangenen Sonntag: Thailand, so meinte die Zeitung, stehe am "Beginn eines neuen Zeitalters der Demokratie". Tatsächlich sind seit längerem Anzeichen von Kontinuität und Stabilität in dem südostasiatischen Land auszumachen, das seit dem Ende der absoluten Monarchie 1932 eine turbulente Abfolge von 13 Verfassungen, 16 Staatsstreichen und 45 Kabinetten erlebte.

Inzwischen liegt der letzte erfolgreiche Militärputsch neun Jahre zurück. Seit 1980 steht in Bangkok der Ex-General und frühere Verteidigungsminister Prem Tinsulanonda an der Spitze der Regierung. Keiner seiner Vorgänger konnte sich so lange an der Macht halten. Zwar gilt der 65 Jahre alte parteilose Prem vielen seiner Landsleute als fade und steht in dem Ruf, ein ewiger Zauderer zu sein. Doch Prem hat die Sympathie des Königshauses und die Unterstützung der Mehrheit des Militärs – und gegen den Willen dieser beiden Säulen des Staates läßt sich in Bangkok nicht regieren.

Prem konnte seine politische Überlebensfähigkeit schon mehrmals unter Beweis stellen. Zwei Putschversuche im April 1981 und im September 1985 überstand er unbeschadet. Als 38 Abgeordnete der "Social Action Party" ihm bei einer eigentlich unwichtigen Abstimmung die Gefolgschaft verweigerten, löste Prem am 1. Mai das Parlament auf. Nur drei Wochen später feuerte er seinen gefährlichsten Rivalen, den putschlüsternen Armeechef Arthit Kamlangek und ersetzte ihn durch den loyalen General Chaovalit Yongchaiyuth.

Der stets milde lächelnde Prem bewies, daß er nicht mit sich spaßen läßt. Und das Militär, das sich traditionell in der Rolle des Schiedsrichters gefiel, der die zerstrittenen Parteipolitiker zur Ordnung ruft, beginnt sich allmählich mit den Spielregeln der parlamentarischen Demokratie anzufreunden. Sechzig pensionierte Offiziere bewarben sich am Sonntag um ein Abgeordnetenmandat. Künftig wolle man das Parlament "durch den Vordereingang" betreten, meinte ein General.

Die stärksten Gewinne verbuchte die liberale "Demokratische Partei"; sie errang 100 der insgesamt 347 Sitze in der Nationalversammlung. Mit 63 Abgeordneten wurde die bisherige konservative Oppositionspartei "Chart Thai" (Thailändischen Nation) zweitstärkste Fraktion. Die "Social Action Party" kam auf 51 Mandate. Diese drei Parteien dürften künftig die Regierung bilden. Das Rangeln um die Ministerposten begann schon am Tag nach der Wahl.

Der Posten des Ministerpräsidenten bleibt indes wohl für Prem reserviert. Denn keine Partei ist stark genug, ihren Wunschkandidaten durchzudrücken. Überdies hat König Bhumipol bereits vor der Wahl angedeutet, er sehe Prem gern bis 1988 im Amt. Dann wird Bhumipol, der im nächsten Jahr seinen 60. Geburtstag feiert, der am längsten herrschende Monarch Thailands sein. Und bis dahin wünscht der König Ruhe im Land.

Matthias Naß