Für Tausende von Jugendlichen ist das Benachteiligten-Programm des Staates die letzte Chance

Von Manuel Schneider

Schule war noch nie mein Fall“, gibt Hans Beckmann* (18) rückblickend zu. Als dann noch eine eitrige Blinddarmentzündung hinzukam, und er fast zwei Monate fehlen mußte, hatte er endgültig den Anschluß verpaßt. Ohne Abschluß verließ Hans die Hauptschule. In über achtzig Bewerbungen bemühte er sich fast ein Jahr lang um einen Ausbildungsplatz. Nur von den wenigsten Firmen erhielt er überhaupt eine Antwort – haben wollte ihn niemand.

„Ohne Hauptschulabschluß hast du keine Chance“, meinte man beim Kölner Arbeitsamt und steckte Hans erst einmal zwei Jahre in „Berufsvorbereitende Maßnahmen“.

Schließlich kam er beim Berufsbildungszentrum Köln unter, einer überbetrieblichen Ausbildungsstätte des Internationalen Bundes für Sozialarbeit. Seit März lernt er dort mit acht weiteren Jugendlichen, darunterzwei Mädchen, das Tischlerhandwerk.

Sie alle gehören zu einem Kreis von Jugendlichen, der – auch in wirtschaftlicher Hochkonjunktur – auf dem Lehrstellenmarkt ganz schlechte Karten hat: Hauptschulabbrecher, Sonderschulabsolventen, junge Ausländer, aber auch ehemalige Drogenabhängige oder Strafentlassene. Da die Betriebe offensichtlich aus Angst vor einer „Fehlinvestition“ immer weniger bereit sind, auch solche „Problemfälle“ auszubilden, muß der Staat einspringen.

Noch unter sozial-liberaler Koalition wurde vor sechs Jahren das Sonderprogramm zur „Förderung der Berufsausbildung von benachteiligten Jugendlichen“ ins Leben gerufen. Im Herbst 1980 waren es nur knapp sechshundert, mittlerweile sind es bereits 24 000 solcher „benachteiligter“ Jugendliche, denen der Bund die Ausbildung finanziert. Als überbetriebliche Träger des Programms bieten sich Handwerksinnungen, aber auch gemeinnützige Vereine wie Kolping-Werk oder Arbeiterwohlfahrt an.