Glanzlos

In der Redaktion des Berliner Tagesspiegel ist zur Zeit eine junge türkische Journalistin zu Gast, die aus Istanbul kommt und dort bei dem überregionalen Blatt Milliyet arbeitet. In einem ihrer Artikel für den Tagesspiegel schreibt sie über Unterschiede in der Mentalität von Türken und Deutschen: „Statt zu lesen und zu schreiben, sprechen wir lieber. So ist das wichtigste Kommunikationsmittel das Telephon. Hier in Berlin benutzt man das Telephon vor allem, um kurze Fragen zu stellen oder schnell einen Termin zu vereinbaren. Deshalb sind viele Nummern auch nicht lange besetzt. Während man hier jemanden in der Regel in wenigen Minuten erreichen kann, dauert es in Istanbul manchmal drei Stunden. Hier habe ich festgestellt, daß türkische Sitten häufig teurer sind als deutsche. Bei uns sind Büros, besonders die staatlichen, sehr prachtvoll ausgestattet mit schweren Möbeln und hübschen Teppichen. Hier dagegen sind viele Büros sehr einfach möbliert.

Besonders enttäuscht war ich vom Büro des Innensenators. Ein Türke in seiner Position würde viel glanzvoller residieren. Die Leute in hohen Positionen tragen hier auch nicht so teure und glänzende Kleidung wie in der Türkei. Goldene, mit Diamanten besetzte Uhren, goldene Kugelschreiber und ähnlichen Luxus habe ich hier längst nicht so oft gesehen wie in der Türkei.“

Hitzestich

Wie ist das Wetter in Hamburg? Ach, da ist das ganze Jahr November. In Schleswig-Holstein aber scheint nicht nur die Sonne. Da scheint auch die Wirtschaft!

„Konjunktursonne strahlt fast uneingeschränkt“, lesen wir in einer Pressemitteilung der Industrie- und Handelskammer vom 22. Juli.

Fast uneingeschränkt? Schon ist unsere Neugier geweckt: „Die zum Ende des zweiten Quartals 1986 intensiv scheinende Sonne hat einen Wettbewerber erhalten, denn die schleswig-holsteinischen Unternehmen beurteilen ihre Geschäftslage Anfang Juli im Durchschnitt so gut wie seit langem nicht mehr.“