Nachhilfe für das Politbüro

China soll modern und weltoffen werden. So will es die Kommunistische Partei. Stolz bilanziert sie die Erfolge, verschweigt aber auch die Defizite nicht. Dazu gehört die allgemeine Rechtsunsicherheit – ein chinesisches Erbübel, das nun energisch angepackt werden soll. Die ganze Partei ist zum Studium der Gesetze aufgerufen. Mit den einschlägigen juristischen Kenntnissen hapert es auch an der Spitze von Partei und Regierung noch. Um diesem Mißstand abzuhelfen, organisiert das ZK-Sekretariat Seminare für „leitende Genossen“. Fast das halbe Politbüro versammelte sich kürzlich, um einer zweistündigen Vorlesung von Professor Sun Guohua, Rechtsgelehrter an der Chinesischen Volksuniversität, über die „Rolle der Rechtsordnung im Marxismus“ zu lauschen. Prominentester Teilnehmer war ZK-Generalsekretär Hu Yaobang. Der Parteichef, selbst ein Opfer der Kulturrevolution Maos, wußte, wovon er sprach, als er die anwesenden Genossen ermahnte: „Wir sollen nicht nur nach der Politik der Partei, sondern müssen auch nach den Gesetzen handeln.“

Rambo auf Russisch

Nun hat auch die Sowjetunion ihren „Rambo“. Er ist ein harter, aber auch wieder menschlicher Offizier, der ein sowjetisches Kommando-Unternehmen anführt – gegen böse Amerikaner, finanziert und ausgeschickt von jenem militärisch-industriellen Komplex, dem daran liegt, einen Krieg der Supermächte auszulösen. Der Schauspieler Michail Noschkin erledigt mit seinen Leuten den Feind im besten Stil – und fällt in letzter (Film-) Sekunde, von einer Kugel in den Rücken getroffen. Abgefeuert hat sie in der letzten Sekunde ein sterbender Amerikaner – begleitet von tiefen Seufzern der Zuschauer.

Ungeliebt

Ausgerechnet am Entkolonisierungs-Gedenktag hat der kenianische Regierungschef Daniel arap Moi an das Nationalgefühl seiner Landsleute appelliert: Wirtschaft und Reichtum Kenias müßten wieder in den Händen einheimischer Geschäftsleute liegen. Die Adressaten dieser ominösen Forderung sind jetzt bekannt: Es geht – wieder einmal – gegen die etwa 80 000 Inder in dem afrikanischen Staat. Wegen ihrer Geschäftstüchtigkeit erregen sie immer mehr Neid. Ein Regierungsmitglied meinte sogar, die Zeit sei gekommen, Skrupel „vor der Enteignung Nicht-Einheimischer“ aufzugeben. Mit ähnlichen Drohungen gegen die Inder war die Regierung schon unmittelbar nach der Unabhängigkeit 1963 angetreten.

Preis für Henrichs

Benjamin Henrichs, Feuilleton-Redakteur der ZEIT, erhält den Salzburger Kritikerpreis 1986. Der Salzburger Bürgermeister wird dem ZEIT-Theaterkritiker die Auszeichnung am 19. August übergeben. Der Preis wird seit 1967 anläßlich der Salzburger Festspiele vergeben; Henrichs erhält ihn für die Besprechung der Uraufführung des Schauspiels „Der Theatermacher“ von Thomas Bernhard in der ZEIT vom 23. August 1985.