Die Billigfluglinie People Express mußte hochfliegende Pläne begraben

Von Heinz Michaels

Donald C. Burr wurde erst unruhig, als seine Mutter ihm erzählte, daß sie einen Flug bei den American Airlines gebucht habe und nicht bei „seiner“ Fluglinie, der People Express Airlines. „Jetzt wußte ich, daß sie einen Dreh gefunden hatten“, sagt Burr. American Airlines, eine der großen Vier im amerikanischen Luftfahrtgeschäft, unterbot die Flugpreise des Billigfliegers aus Newark. Zwar muß der Flug dreißig Tage vorher gebucht werden, aber die Passagiere liefen in Scharen zu den Linien über, die ihnen mehr Komfort boten. Die Vorausbuchung störe sie nicht, sagte auch Burrs Mutter.

Verzweifelt versuchte Burr, den ins Trudeln geratenen „Volksexpreß“ abzufangen. Doch am 23. Juni dieses Jahres mußte er bekanntgeben, daß er einen Käufer für das ganze Unternehmen oder für Teile davon suche. Am 10. Juli trennte sich Burr von dem Tochterunternehmen Frontier Airlines, das an United Airlines, die größte amerikanische Fluggesellschaft, ging. People Express kann, vorerst zumindest, allein weiterfliegen.

Donald C. Burr hatte eine sehr amerikanische Karriere als Senkrechtstarter hinter sich, als er vor gut fünf Jahren, 39 Jahre alt, People Express gründete. Als Junge war er Chorknabe an der First Congressional Church in seinem Heimatstädtchen South Windsor in Connecticut, Saxophonspieler in der Schulkapelle und immer Erster, in der kirchlichen Jugendgruppe so gut wie in der Sportmannschaft der Schule.

Er studierte an der Stanford University (Kalifornien) und war Präsident des Stanford Flying Clubs, bevor er die berühmte Havard University’s Business School besuchte. Mit 30 stieg er an der Wall Street zum Präsidenten der National Aviation Corp. auf, eines auf Luftfahrt spezialisierten Investmentfonds, und wurde schließlich Präsident der Texas Air, einer damals regionalen Fluggesellschaft, die heute zu den Großen gehört.

Mit sieben Kollegen brach Burr dann auf, eine Fluglinie neuen Stils zu gründen. Über ein Makler-Büro in San Francisco gelang es ihnen, 26 Millionen Dollar Startkapital aufzutreiben, die Aktie für 8,50 Dollar (innerhalb von zwei Jahren hatte sie den fünffachen Wert, heute erreicht sie gerade noch den Ausgabekurs). Als Hauptquartier wählten sie das heruntergekommene Flughafengebäude des International Airport Newark, südlich des Hudson gegenüber der Skyline von Manhattan. Dort war zu der Zeit die Zahl der täglichen Starts und Landungen an den Fingern abzuzählen.