Noch vor der Verhaftung der drei RAF-Mitglieder in Rüsselsheim hat Generalbundesanwalt Kurt Rebmann mit tatkräftiger Hilfe von Siemens drei Millionen Mark „ausgelobt“. Zur Aufdeckung des Mordanschlags gegen den Siemens-Manager Karl-Heinz Beckurts und dessen Fahrer Eckhard Groppler sollen solche „Mitwisser“ der RAF zur „Umkehr“ bewogen werden, die selber keinen Mord begangen haben. Das ist die höchste Summe, die bisher ausgeworfen wurde. Dazu nimmt der Präsident des Hamburger Landesamtes für Verfassungsschutz, Christian Lochte, Stellung.

ZEIT: Wie wird die Wirkung von Rebmanns „Drei-Millionen-Ding“ auf Mitglieder der RAF sein?

Lochte: Das Vorhaben ist legitim und bestimmt auch gut gemeint, aber es kann überhaupt nichts bringen. Man muß sogar sagen, es ist in gewisser Weise kontraproduktiv. Diese Auslobung zielt ja nicht auf den Bürger. Der ist bereit, das zeigt die letzte Verhaftung, die Polizei sofort zu informieren. Wenn er dafür belohnt wird, dann ist das in Ordnung. Wenn aber Adressat des Drei-Millionen-Projektes ein Mitglied des Untergrundkommandos oder ein Angehöriger des legalen Arms der RAF sein soll, dann schlägt die Sache ins Leere.

Zunächst muß man sagen: Die RAF wird sich hierdurch bestätigt fühlen. Sie wird sagen, dieses kapitalistische System, das schon am Kippen ist – wie sie das so nennen –, zeigt hier sein wahres Gesicht; es kann sich nur noch mit Geld retten. Typisch kapitalistisch! Sie werden also in ihrem Wahn durch eine solche Auslobung bestärkt. Das ist ein einmaliger Vorgang. Sie können sich als etwas ganz Einzigartiges empfinden.

Es gibt sicher, davon kann man aufgrund der bisherigen Erfahrungen ausgehen, sowohl im Unterstützer-Bereich der RAF als auch im Kommando-Bereich, Personen, die zweifeln, ob das, was sie tun, richtig ist. Wie sollen die sich jetzt noch lösen können? Wie sollen sie ihren Zveifeln noch Rechnung tragen? Sie setzen sich ja sofort dem Verdacht aus, sie würden, wenn sie abtrünnig werden, das nur des Geldes wegen machen.

Aber das ganze Denken der RAF wird dadurch überhaupt nicht erreicht. Die Leute, die im Untergrund tätig sind und morden, tun das ja aus einer sich selber gegebenen hohen moralischen Position. Sie halten das alles für gerechtfertigt. Und da ist dann das Angebot mit den Geld geradezu ein Mittel, um diese Moral aufrechtzuerhalten.

ZEIT Das hätte bei den italienischen Roten Brigaden auch nicht geklappt?