Bundeskanzler Helmut Kohl hat über seinen Sprecher Friedhelm Ost zwar ausrichten lassen, ein vorzeitiges Bonner Ministergeschiebe sei höchst überflüssig, aber das war offenbar nur ein Signal, um so lauter über ungelegte Eier zu reden, wie man jetzt am Beispiel Franz Josef Strauß und Hans Dietrich Genscher gesehen hat. Andererseits eignet sich die Sommerzeit vorzüglich, Personen und Ämter hin- und herzuschieben, immer vorausgesetzt, Kohl hat bei der Bundestagswahl im Januar 1987 Erfolg.

Doch zunächst muß man fragen, ob es überhaupt bei der gegenwärtigen Anzahl der Ministerien bleibt. Immerhin hat sich die Regierung ganz schön aufgebläht. Kam der letzte sozial-liberale Kanzler noch mit 16 Ministern, 20 Parlamentarischen und 22 beamteten Staatssekretären aus, so besteht Kohls Crew schon aus 18 Ministern, 24 Parlamentarischen Staatssekretären und 26 beamteten Staatssekretären. Kohls Regierungsspitze kostet damit schon rund zwei Millionen Mark mehr als die von Helmut Schmidt. Allein die Kanzleramtsleitung verschlingt inzwischen doppelt soviel Geld wie die unter Kohls Vorgänger.

Es gibt also auch Anlaß, das Spitzenpersonal der Regierung zu reduzieren. Zur Auflösung stehen das Bildungsministerium und das Wohnungsbauministerium an. Die Arbeit beider Ministerien könnte gut von anderen übernommen werden. Die Amtsinhaber, Dorothee Wilms und Oscar Schneider, haben sich nichts zuschulden kommen lassen, werden also – auf anderen Posten – bleiben. Für Frau Wilms wird das Arbeitsministerium genannt, dessen Amtsinhaber Norbert Blüm gern Fraktionsführer der CDU/CSU werden möchte. Der gegenwärtige Fraktionschef Alfred Dregger wiederum soll nach Kohls Willen auf den Stuhl von Bundestagspräsident Philipp Jenninger. Der wiederum paßt als Baden-Württemberger auf die Hardthöhe, die von dem aus Baden-Württemberg stammenden Verteidigungsminister Manfred Wörner besetzt ist. Ihn sehen nicht viele in einer neu aufgelegten Regierung Kohl wieder. Oscar Schneider könnte Verkehrsminister werden, anstelle von Werner Dollinger, der auf Straußens schwarzer Liste stehen soll.

Was für ein Geschiebe! Damit nicht genug, hat Kohl auch noch ein landsmannschaftliches Problem mit den Ministern Christian Schwarz-Schilling (Post), Heinz Riesenhuber (Forschung) und Walter Wallmann (Umwelt). Drei Hessen im Kabinett, ein weiterer an der Spitze der Fraktion (wie Dregger jetzt oder später an der des Bundestags), das ist eigentlich zuviel und bedarf nach der Wahl einer Korrektur. Am stärksten gefährtet erscheint Christian Schwarz-Schilling. Aber man hört auch: Er wi.l um seinen Posten kämpfen. Interessen an der Post werden dem Staatssekretär aus Bayerns Staatskanzlei, Edmund Stoiber, nachgesagt.

Daß Bayerns CSU gern ein Stück vom Kuchen der Hochtechnologien hätte, ist allzu verständlich. Die Bundespost hätte das zu bieten. Dafür würde der Bauernminister Ignaz Kiechle allemal geopfert. Stoiber wird allerdings auch in anderer Position für Bonn gehandelt: als Ersatz für Bayerns Bonn-Minister Peter M. Schmidhuber.

Otto Graf Lambsdorffs Rückkehr ins Kabinett dürfte nach dem Vor-Freispruch in Sachen Bestechlichkeit wohl recht sicher sein, denn daß Mitglieder des gesetzgebenden Parlaments sich "legale Umgehungsmöglichkeiten" in Steuergesetzen suchen, ist ja nichts als ein Kavaliersdelikt. Frage ist nur: Wohin mit Lambsdorff? Er ist sicher für jedes Amt gut, am besten aber machte er sich doch als Wirtschaftsminister. Nun sitzt dort Martin Bangemann. Aber weil der schon seit Wochen auf Tauchstation ist, darf man annehmen, daß er gar nicht abgeneigt wäre, irgendeinen Posten anzunehmen, der mit möglichst wenig Arbeit verbunden ist.

Was Lambsdorff übrigens von seinem Nachfolger hält, hat er gerade erst wenig verklausuliert zum Besten gegeben. Auf die Frage: "Sind Sie heute mit der Wirtschaftspolitik dieser Bundesregierung uneingeschränkt einverstanden", antwortete der Wirtschaftsgraf: "Nein, das bin ich nicht, und das weiß man ja auch, daß ich gelegentlich die Wirtschaftspolitik – wobei ich Wirtschaftspolitik im weitesten Sinne meine – kritisiert habe." Wolfgang Hoffmann