Von Bernd Müllender

Der Satz ist berühmt und wird gern kolportiert: „Für ein Viertel mehr Gehalt unterschreibe ich den Vertrag, für ein Drittel mehr nicht.“ So pokerte Fußball-Nationalspieler Horst Szymaniak einst mit seinem Arbeitgeber. Heute wird das keinem der portemonnaiebewußten Bundesligakicker mehr passieren. Dafür hat offenbar so mancher Szymaniak inzwischen im Management der Vereine Platz genommen. Die Bundesligaklubs sind verschuldet wie nie zuvor. „Der Patient steht vor dem Kollaps“, prophezeite gerade das Fachblatt Kicker. Eine Pleite-Liga? Oder gehören Schuldenmachen und amateurhaftes Wirtschaften zum Prinzip der Fußballbundesliga, die am Wochenende in ihre 24. Saison startet?

Ende April schlug der Deutsche Fußballbund (DFB) Alarm. Nur 5,4 Millionen Fans hatten in der letzten Runde ihr Geld an den Stadionkassen abgegeben – so wenig wie nur einmal zuvor: dem Jahr nach dem Bestechungsskandal 1972. Mit exakt soviel Zuschauern kalkulieren die Vereine auch für die neue Spielzeit. Die Erfahrung zeigt aber, daß die Etats meist zu hoch angesetzt waren. Deshalb klingt es schon optimistisch, wenn Helmut Grashoff von Borussia Mönchengladbach, der dienstälteste Vereinsmanager, sagt: „Ich glaube, wir sind jetzt am unteren Ende der Sättigungsgrenze. Noch weiter wird sich das Zuschauerinteresse hoffentlich nicht verschleißen.“

Die achtzehn Bundesligaklubs haben langfristige Verbindlichkeit weit in zweistelliger Millionenhöhe. Genaue Zahlen kennt nur der DFB, aber der nennt sie nicht. Jedes Jahr findet das gleiche Vabanquespiel statt: Die Vereine investieren siebenstellige Summen in neue Spieler und erwarten den Erfolg, der das zahlende Publikum ins Stadion lockt. Doch die Rechnung kann immer nur für einige aufgehen, Deutscher Meister wird nur einer. Dennoch wehrt sich der DFB gegen Miesmacherei. Ligasekretär Wilfried Straub beklagt zwar die Sünden der Vergangenheit, als die Vereine „in den fetten Jahren über ihre Verhältnisse gelebt“ hätten, sieht seinen Verband im internationalen Fußballgeschäft aber immer noch in Führung: „In Europa gibt es keinen wirtschaftlich gesünderen Laden als die Deutsche Bundesliga.“

Noch hoffen die Vereine, ihre Etats von zusammen 120 Millionen Mark zu knapp zwei Dritteln aus dem Eintrittsgeld der Zuschauer finanzieren zu können. Doch deren Fußballeidenschaft ist ebensowenig kalkulierbar wie das Wetter. Darum gewinnen Verträge mit der Werbewirtschaft eine immer größere Bedeutung. Kein Verein spielt mehr oben ohne. Für die Trikotwerbung kassieren die Klubs zwischen einer Million (München, Köln) und mageren 300 000 Mark (Mannheim). Vier Manager lassen sich durch alkoholisierte Randalierer in den Stadien nicht davon abhalten, die Spielerhemden als Brauereireklame zu nutzen. Aus der Bandenwerbung fließt eine weitere Viertelmillion durchschnittlich in die Vereinskasse. Jede zweihundertste bundesdeutsche Werbemark geht heute schon in den Fußball.

Je weniger die Vereine aus eigener Kraft leben können, desto mehr sind sie auf immer neue Geldgeber angewiesen. Zur Zeit haben sie das Fernsehen im Visier. Pauschal erhält jeder Profiverein rund 350 000 Mark jährlich von ARD und ZDF. Besonders lukrativ lassen sich aber bestimmte Live-Übertragungen, etwa Europapokale, vermarkten. Bayer Uerdingen etwa ließ zum Europa-Cup-Spiel gegen Dynamo Dresden die Kameras des ZDF für fast 300 000 Mark ins Stadion, kassierte ungefähr die gleiche Summe im Werbegeschäft und brauchte sich deshalb nicht über ein nur halbvolles Stadion zu grämen – die entgangene Einnahme machte gerade die Hälfte des TV-Salärs aus.

Für einen intensiven Kontakt mit den privaten Fernsehgesellschaften sorgt seit 1985 der frühere Udo-Jürgens-Manager Hans Beierlein. 12,5 Millionen Mark hatte SAT 1 für die wöchentliche Live-Übertragung eines Top-Spiels der neuen Saison geboten. Die Vereine lehnten erst einmal ab. Auch der Vorschlag, alle zwei Wochen eine Paarung meistbietend unter alten und neuen Sendern zu versteigern, schien Mitte Juli unter Dach und Fach – dann sagten die Clubs nein, weil sie Zuschauereinbußen befürchten und angeblich Terminschwierigkeiten haben. Dabei wäre für einen solchen Vertrag eine halbe Million Mark pro Jahr zusätzlich herausgesprungen, ebenso weitere Werbeeinnahmen, von Branchenkennern auf 400 000 Mark pro Spiel geschätzt. Uli Hoeness, der Manager des FC Bayern München, bedauert, daß die Entwicklung vom Fußballspiel zum Fernsehspiel dadurch verzögert wird. Nach seiner Vision könnte sich die Bundesliga schon Anfang der neunziger Jahre überwiegend aus TV-Geldern finanzieren.