ZEIT: Die Bundespost hat in Bildschirmtext, kurz Btx, viel Geld investiert und große Hoffnungen gesetzt. Viele Bundesbürger sollten derzeit schon auf elektronischem Weg einkaufen, aber sie ignorierten diese Möglichkeiten. Jetzt steigen auch noch Anbieter von Dienstleistungen aus. Sind Sie sehr enttäuscht?

Rawe: Es ist zwar richtig, daß wir größere Hoffnungen in Btx gesetzt hatten, aber die Lage hat sich doch ganz erheblich stabilisiert. Es kann durchaus sein, daß uninteressante Angebote aus dem System verschwinden. Doch die Zahl der Nutzer steigt. Und wir haben zum gegenwärtigen Zeitpunkt eine Nutzungsdauer von 22 Minuten am Tag. Das ist ja schon etwas. Sicher wären wir froh, wenn alles noch etwas schneller ginge.

ZEIT: Knapp 50 000 Anschlüsse sind eine vernachlässigbare Größe. Halten Sie die Deutschen für Elektronikmuffel?

Rawe: Nein, ganz im Gegenteil. Deshalb bin ich auch bei Btx sehr zuversichtlich. Ich sehe das Problem eher bei den noch immer teuren Endgeräten. Wenn die Industrie schon früher in größere Stückzahlen gegangen wäre, hätten wir heute akzeptablere Preise und so mancher würde schneller zugreifen. In Frankreich wurden eine Million Geräte von der Post verschenkt. Auf diese Weise hätten auch wir sehr schnell eine sehr hohe Anschlußdichte erreicht.

ZEIT: Und wie will die Deutsche Bundespost Btx in Zukunft attraktiver machen und was erwartet sie von den Herstellern?

Rawe: Mittlerweile haben alle einschlägigen deutschen Firmen, aber auch ausländische Unternehmen, zu sehr ordentlichen Preisen sogenannte Multitel-Geräte, eine Kombination von Btx und Telephon, im Angebot. Ich gehe davon aus, daß die Preise weiter sinken werden und damit die Akzeptanz steigt. Wir selber nehmen für den Anschluß einmalig nur 65 Mark und für die monatliche Nutzung, außer den laufenden Telephongebühren, acht Mark. Das ist wohl nicht zu teuer.

ZEIT: Unternehmen benutzen Btx zunehmend als billige Möglichkeit zur betriebsinternen Kommunikation. Dafür war die 700-Millionen-Investition der Post ursprünglich aber wohl nicht gedacht.