Vor zehn Jahren ist Fritz Lang in Beverly Hills gestorben. Seitdem gab es erfreulich oft Gelegenheit, über ihn und seine Filme zu reden. Mehrere kommunale Kinos veranstalteten umfangreiche Retrospektiven: das Filmmuseum München 1975 und 1986, das Berliner Arsenal 1983 und das Frankfurter Kommunale Kino 1984. Anfang der achtziger Jahre kamen nach und nach fünf seiner Filme wieder in die Kinos, darunter „Das Testament des Dr. Mabuse“ (sein letzter deutscher Film vor der Emigration), „Liliom“ (sein einziger französischer Film) und „Scarlet Street“ (einer seiner wichtigsten films noirs). Und nun bietet das ZDF in den kommenden Wochen eine kleine Werkschau seiner amerikanischen Filme, darunter seinen schwärzesten, seinen besten amerikanischen Film „The Big Heat“ („Heißes Eisen“) und – als deutsche Erstaufführung – seinen Thriller „House by the River“ („Das Todeshaus am Fluß“).

Lang liebte es, seine Helden in unausweichliche Situationen zu stellen, seien sie vom Schicksal oder von der Gesellschaft herbeigeführt. Er liebte ihre Auflehnung dagegen, ihren Kampf. Er glaube, erklärte er einmal, „daß man für das, was man für sich als ,richtig‘ erkannt hat, kämpfen muß, selbst gegen überlegene Kräfte, selbst wenn am Ende der Tod droht“.

In dem Polizeifilm „The Big Heat“ treibt Lang diese Vorliebe für fatale Situationen auf die Spitze. Da wird der Polizist Dave Bannion (Glenn Ford), der aufbegehrt gegen die Korruption und den Machtmißbrauch in seiner Stadt, systematisch in die Enge getrieben. Er glaubt an das Recht, also an die Gewalt von Gesetz und guten Worten. Gangster sind für ihn Gangster, da kennt er keinen Kompromiß. So verliert er eines Tages seine Frau, dann seinen Job, und schließlich gerät sogar sein Kind in Gefahr. Am Ende bleibt ihm kaum ein Ausweg. Nur die offene Auflehnung.

Die Geschehnisse um ihn herum verändern Bannion grundlegend. Nun denkt er nicht mehr ans Recht, sondern allein an seine persönliche Rache, also an direkte Gewalt. Nun toleriert er nicht länger den Schein, der über dem geheimen Bund von Mafia, Politik und Polizei liegt. Als der Polizeipräsident ihm kondoliert und davon redet, daß alles getan werde, um den Mörder seiner Frau zu finden, antwortet Bannion mit Ironie – mit der Frage, ob er denn für eine solche Zusicherung die Zustimmung der Mafia eingeholt habe. Diese Provokation ist Teil seiner Strategie. Er operiert nun, wie die operieren, die er bisher stets bekämpft hat: Er nutzt alle und alles für seine Vorteile aus – seine Freunde; seine Verwandten; fremde Zeugen, die ihm einfach helfen wollen; schließlich auch eine Frau, die ihn liebt.

Diese Frau ist Debby (Gloria Grahame), die Geliebte des Mafiakillers. Als Bannion sie erstmals trifft, denkt er nur daran, sie auszuhorchen. Dem verweigert sie sich. Seine dumme Moral kontert sie eher nebenbei. Als er auf das Geld verweist, von dem sie lebt, antwortet sie schlicht: „Kleider. Und Pelze. Und wunderbarer Schmuck. Was ist daran schlecht?“ Sein anzügliches Lächeln stört sie nicht. Sie weiß mehr vom Leben. „Ich war reich, und ich war arm. Glauben Sie mir, reich ist besser!“

Es ist diese Frau, die letztlich alles ins Rollen bringt. Der kurze Flirt mit Bannion kostet sie, woran sie am meisten hängt, ihre Schönheit. Ihr Freund bestraft sie fürchterlich: Er schüttet ihr – außer sich vor Wut – kochend heißen Kaffee ins Gesicht. Diese Strafe aber bewirkt, wie so oft, nur das Gegenteil. Die Verstümmelung macht Debby offen für Bannions Wünsche, für seine Rachepläne.

Als sie erfährt, daß der Tod einer Frau, der Witwe des Polizeipräsidenten, alle Verstrickungen enthüllen würde, macht sie ihr einen Besuch. Ihre Rache hat Stil. „Wir sollten uns beim Vornamen nennen, wir.Mädchen in Nerz,“ sagt sie, bevor sie die Frau erschießt. Die Grenze zum Mord, die Bannion scheut, weil er befürchtet, sich dann in nichts mehr von den Killern zu unterscheiden – Debby überschreitet sie.