Von Roland Kirbach

Düsseldorf

Der Angeklagte macht es dem Gericht nicht leicht. Zur Sache läßt er sich mit keinem Wort ein, auch zur Person gibt er keinerlei Auskünfte: "Das ist meine Privatsache", sagt er nur, "das geht niemanden was an." Seinem Verteidiger traut er ebenfalls nicht, jegliche Zusammenarbeit mit ihm lehnt er ab. Und einer psychiatrischen Untersuchung hat er sich, so der Gutachter, "nur höchst widerwillig" unterzogen.

Dem 51jährigen Klaus Ulrich H. wird versuchte räuberische Erpressung, Sachbeschädigung und Verleumdung zur Last gelegt. Im Dezember vergangenen Jahres hat ihn das Schöffengericht beim Amtsgericht Düsseldorf zu einer Freiheitsstrafe von zweieinhalb Jahren verurteilt. Klaus Ulrich H. hat Berufung eingelegt; nun wird der Fall vor der Zweiten Strafkammer des Düsseldorfer Landgerichts aufgerollt.

In der Zeit vom 12. Juni bis zum 16. Juli 1985 soll H. dem Werbeleiter der Düsseldorfer Kreissparkasse, Hans B., sowie dessen Vorgesetzten, der Düsseldorfer Sparkassenschule, der katholischen Pfarre St. Elisabeth in Düsseldorf-Flingern und B.’s Ehefrau insgesamt 17 Drohbriefe geschickt haben. Eine Wand der Sparkasse, das Portal der Kirche St. Elisabeth und das von B. bewohnte Mietshaus soll er zudem mit roter Farbe und den Wörtern "Sau" und "Lump" besprüht haben. Von 1967 bis 1977 arbeitete H. als Werbegraphiker bei der Düsseldorfer Kreissparkasse und war Hans B. unterstellt.

Die Briefe liegen auf dem Tisch des Gerichts und werden der Reihe nach verlesen. An Frau B.: ‚Ihr Mann ist ein Schwein. Die Öffentlichkeit wird alarmiert, bis der Sittenstrolch gefaßt ist." An die Kirchengemeinde: "Unsere Eltern-Initiative sucht einen schwammig aussehenden Mann, er soll in Ihrer Pfarre als Gemeinderat gearbeitet haben." Der Gesuchte "greift kleinen Mädchen unter den Rock und kleinen Jungen in die Hose". An vier Kindern soll er sich besonders schwer vergangen haben. Die betroffenen Eltern hätten sich nun zur "Eltern-Initiative drei, Aktionsgruppe B" zusammengeschlossen. Um weiteren Schaden von den Kindern abzuwenden, müßten sie jedoch anonym bleiben. An die Kreissparkasse: "Der Sittenstrolch, den wir suchen, sitzt in Ihrer Bank." Die Mitschuld der Sparkasse sei groß, denn sie decke den "Kinderschänder" und verhelfe ihm zur "Maske eines Biedermanns". "Wir verlangen die Entfernung dieses Mannes."

Der Ton in den Briefen wurde immer rüder, aus den üblen Beschimpfungen wurden handfeste Drohungen. "Einige Frauen in unserer Gruppe", so wurde Hans B. mitgeteilt, "wollen dir unbedingt mit dem Rasiermesser den Pimmel abschneiden. Zieh mal schön den Schwanz ein!" Auf einer Kondolenzkarte mit schwarzem Rand und dem Aufdruck "Aufrichtige Teilnahme" – adressiert "an die Witwe eines Schweins" – wurde Frau B. eröffnet, daß ihr Mann "seine Karriere auf dem Nordfriedhof beenden" werde.