Ein ungewöhnlicher Vorschlag zur Lösung der Außenhandelsprobleme zwischen den Vereinigten Staaten, Japan und der Bundesrepublik

Von Jes Rau

Wer nicht hören will, muß fühlen. Immer wieder hat Washington an Bonn und Tokio appelliert, doch für binnenwirtschaftliche Stimulierung in ihren Ländern zu sorgen und die Rolle des weltwirtschaftlichen Konjunkturmotors nicht allein den Amerikanern zu überlassen. Da die Deutschen und die Japaner diese Hinweise auf ihre „weltpolitische Verantwortung“ in den Wind geschlagen haben, bekommen sie jetzt die Quittung: eine rapide Abwertung des Dollars. Inzwischen liegt der Wechselkurs des Dollars gegenüber der Mark bereits haarscharf an der „Schmerzgrenze“ der deutschen Exportwirtschaft.

Anfang dieser Woche war der Dollar nur noch 2,08 Mark wert. Da werden Erinnerungen wach an den 3. Januar 1980, als mit 1,7062 Mark der bisher niedrigste Dollarkurs gegenüber der deutschen Währung notiert wurde. Ob dieser Tiefenrekord im Laufe des jetzigen Kurszyklus’ wohl noch übertroffen wird? – Soweit könnte es kommen, wenn Washington sich die rasche Beseitigung des Defizits in der US-Handelsbilanz zum Ziel setzt. Wenn die Schieflage im amerikanischen Außenhandel in ein bis zwei Jahren kompensiert werden soll, müßte der Dollar vermutlich bis auf 1,60 D-Mark fallen.

Die Wirkung eines solchen Verfalls des Dollarkurses auf den Außenhandel der Bundesrepublik wäre immens. Schließlich waren es die Exporte in die Vereinigten Staaten, die in den vergangenen vier Jahren nicht nur in deutschen Landen, sondern auch bei anderen Handelspartnern der USA für Prosperität sorgten. Geht dieser Export-Boom zu Ende, wird wohl plötzlich die hektische Suche nach einem Stimulierungsprogramm losgehen, das die Bundesregierung derzeit noch in Bausch und Bogen ablehnt.

Der Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium Otto Schlecht begründete die ablehnende Haltung Bonns gegenüber jeder Ankurbelung damit, daß sich die deutsche Wirtschaft inzwischen wieder auf Wachstumskurs befindet. Der Import sei im ersten Halbjahr real 7,5 Prozent höher gewesen als im gleichen Vorjahreszeitraum. In realer Rechnung habe sich der außenwirtschaftliche Überschuß bereits stark verringert. Internationale Organisationen wie der Währungsfonds und die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hätten der Bundesrepublik bescheinigt, daß sie ein „Musterschüler“ sei, meinte Schlecht. Die Bundesregierung sei jedoch „nicht bereit, jene Fehler zu wiederholen, die wir 1978/79 mit der sogenannten Lokomotivtheorie gemacht haben, um hinterher wieder den Katzenjammer zu haben, wie wir ihn zwischen 1980 und 1982 gehabt haben“.

Attraktivität bewahren