München: "Teriit pars maxima"

Das gelehrte, einem barocken Emblem entliehene Motto ("Der größte Teil ist verlorengegangen") gibt der Ausstellung den Anstrich der Seriosität, die sie in der Tat auch beansprucht, und sei es nur, um ihn sofort wieder preiszugeben. Der auf lateinisch beklagte Verlust bezieht sich auf die Zeugnisse von Brauchtum und Volksglauben (und zwar bayerischer Provenienz), von denen sich nur noch letzte Exemplare erhalten haben, vorwiegend in Museen. Daniel Spoerri, ein passionierter Sammler von Kulturrelikten, hat sich überlegt, wie man an die alten Traditionen anknüpfen könnte, ernsthaft oder spielerisch, auf jeden Fall jedoch mit dem Bewußtsein unserer Tage. Von ihm stammt das Rezept; eine Projektgruppe der Münchner Kunstakademie hat das Ragout aus überlieferter Folklore und neuer Kunst zubereitet unter Verwendung von Zutaten aus Spoerris Freundeskreis. Ausgehend von stehenden Begriffen und Redensarten (Blut & Boden, Kraut & Rüben, Tod & Teufel) blättert die Ausstellung abschnittweise auf, was Künstlern so alles einfällt zu den ebenfalls gezeigten Überbleibseln der Volkskultur. Das ist manchmal spannend. Erstaunlich zum Beispiel, wie selbstverständlich die Jungen eine Verbindung von einem Weihrauchgefäß zur Challenger-Explosion herstellen und von Fasnachtsmasken zu vermummten Demonstranten; das ist nicht selten lustig und oft mit Hintersinn um die Ecke gedacht: Eine Ausstellung zum Weiterdenken. (Kunstverein bis zum 24. August, Katalog 16 DM) Helmut Schneider