Diese australischen Erpresser, die Picassos Gemälde „Weinende Frau“ aus der Nationalgalerie von Victoria gestohlen haben und nun eine Erhöhung der staatlichen Kunstsubventionen um jährlich zehn Prozent verlangen, andernfalls sie den Picasso zerstören wollen – handeln in einer vermutlich richtigen Erkenntnis. Die kunstsinnigen Berserker sind offenbar davon überzeugt, daß dieser Welt, die von fünf Milliarden Menschen bevölkert ist, in der es aber nur eine einzige „Weinende Frau“ von Picasso gibt, durch die Entführung eines fast schon klassischen Kunstwerkes eher zu imponieren ist als durch die Entführung eines lebendigen Menschen. Die sind, so mögen sie denken, ersetzbar, jenes aber nicht.

Wenn das Kalkül der Erpresser aufgeht, dann droht uns nicht mehr kidnapping, sondern picturenapping oder einfach picnapping. Eltern, Politiker und Wirtschaftskapitäne dürfen aufatmen, die Museumsdirektoren aber werden Valium, zum Frühstückstee nehmen. Gm.