Mit der Festnahme von Eva Sybille Haule-Frimpong, die zum harten Kern der „Rote Armee Fraktion“ gezählt wird, gelang der Polizei wenige Wochen nach der Ermordung des Siemens-Managers Beckurts ein empfindlicher Schlag gegen die RAF.

Eva Sybille Haule-Frimpong (32) wurde am Samstag in einem Eiscafe in Rüsselsheim gemeinsam mit Luitgard Hornstein (23) und Christian Kluth (26) festgenommen, die beide zum „illegalen militanten Bereich“ der RAF gerechnet werden. „Sicher nicht zum Eis-Essen“ habe sich das Trio getroffen, heißt es bei den Sicherheitsbehörden. Vielmehr sei es um „ganz handfeste Dinge“ gegangen, etwa um einen Ausbau der RAF-Logistik.

Ging es auch um die Planung künftiger Straftaten? Die Umstände des Treffens mit einem „Kommandomitglied“ deuten für die Bundesanwaltschaft darauf hin, daß Luitgard Hornstein und Christian Kluth mit Frau Haule-Frimpong möglicherweise über Aktionen der „illegalen Militanten“ gesprochen haben. Es sei dabei jedoch nicht um „Tötungsdelikte“ gegangen, da diese ausschließlich von Mitgliedern des RAF-Kommandos ausgeführt würden. Auch gebe es keine Hinweise darauf, daß Hornstein und Kluth für den RAF-Untergrund rekrutiert werden sollten.

Eva Sybille Haule-Frimpong steht seit 1979 in dem Verdacht, Mitglied der RAF zu sein. Seit 1984 wird sie zum harten Kern gezählt, So soll sie an den Vorbereitungen des versuchten Bombenanschlags auf die Nato-Truppenschule Oberammergau im Dezember 1984 beteiligt gewesen sein. Sie hielt sich in allen vier konspirativen RAF-Wohnungen auf – in Frankfurt, Offenbach, Karlsruhe und Tübingen –, die seit Mitte 1984 entdeckt wurden.

Zwischen der Sonderkommission Straßlach, die wegen der Morde an dem Siemens-Manager Karl-Heinz Beckum und dessen Fahrer Eckhard Groppler ermittelt, und der Bundesanwaltschaft ist es zu einer Kontroverse darüber gekommen, ob Frau Haule-Frimpong möglicherweise in den Anschlag von Straßlach verwickelt gewesen sei. Die Sonderkommission geht „nach Kenntnis der Arbeitsweise und der Vorbereitung von Aktionen der RAF“ davon aus, daß sie „mit Sicherheit in die Vorbereitung der Morde von Straßlach eingebunden war. Dies ist eine logische Überlegung, Beweise haben wir nicht.“

Der Sprecher der Bundesanwaltschaft, Alexander Prechtel, tritt dieser Äußerung „mit allem Nachdruck“ entgegen: „Diese Behauptungen stehen mit der Beweislage nicht in Übereinstimmung. Sie wecken beim Bürger falsche Erwartungen. Bei den Staatsschutzbehörden gelten die Vermutungen der Straßlach-Kommission dagegen als „sehr realistisch“. Die „Arbeitshypothese“ sei richtig. Die Bundesanwaltschaft braucht allerdings gerichtsverwertbare Beweise. Und daran fehlt es.

Spekulationen, der entscheidende Hinweis für die Festnahme in Rüsselsheim sei nicht aus der Bevölkerung gekommen, sondern aus der „Szene“ oder von einem V-Mann, werden von den Sicherheitsbehörden zurückgewiesen. Alexander Prechtel: „Der Zeuge ist eine Tante Emma von nebenan, er ist ein Otto Normalverbraucher.“ M. N.