Die Saudis haben noch immer alle Trümpfe in der Hand. Nichts belegt das deutlicher als das überraschende Ergebnis der Opec-Konferenz in Genf und die Reaktion der Märkte darauf. Hätte Scheich Ahmed Saki Jamani nicht zugestimmt, die Förderung des Kartells freiwillig zu drosseln, wären die dreizehn Minister wohl auch zum viertenmal in diesem Jahr im Streit auseinandergelaufen.

So aber wird ihr Beschluß plausibel, in den nächsten zwei Monaten nur noch 16,7 Millionen Barrel Öl pro Tag aus der Erde zu holen, statt wie bisher gut 20 Millionen. Immerhin hatten sich bereits in der vergangenen Woche zehn Kartellmitglieder bereit erklärt, ihrerseits 1,9 Millionen Barrel insgesamt weniger zu produzieren. Wenn nun Kuwait noch seinen Teil dazu beiträgt, dann könnten die Saudis immerhin so viel fördern, wie ihrer offiziellen Quote von 1984 entspricht, auch wenn der Irak einen Sonderstatus beansprucht.

Offensichtlich rechnen auch die Händler in London und Rotterdam damit, daß sich die Staaten des Kartells in Zukunft disziplinierter verhalten werden. Denn die Preise für Öl und Ölprodukte zogen scharf an. Wäre es so, dann hätten sich die Saudis gegen die Falken in der Opec durchgesetzt. Sollten dagegen einzelne Länder weiter ihren eigenen Vorteil suchen, dann dürften die Herrscher des Königreichs die Förderung bald wieder ankurbeln, um auch dem letzten Uneinsichtigen zu zeigen, wer allein die Richtung im Kartell bestimmen kann. hp