ZDF, Sonntag, 10. August, 21.20 Uhr: „Das Kreuz des Süden“ von Stephan Köster

Sommer-Theater, Sommer-Festival, Sommer-Oper und -Konzert ... Da will auch das Zweite Deutsche Fernsehen nicht zurückstehen und läßt sich für den Ferienmonat August etwas Besonderes einfallen. Drei Tierfilme kommen aus der Redaktion „Das kleine Fernsehspiel“ auf unsere Mattscheiben. Doch nicht die Herren Grzimek, Stern oder Sielmann hat man bemüht, sondern eine jüngere Generation darf einmal beweisen, daß Tierfilme auch anders sein können: eigenwillig, humorvoll und doch kritisch.

Der amerikanische Videokünstler Bill Viola hat in seinem Film Zusammenhänge zwischen tierischem und menschlichem Verhalten beobachtet – wobei er den Bildern mehr als den Worten traut („Tier-Zeichen“, 19. 8., 22.40 Uhr). Der Film der „Gruppe Lichtblick“ nimmt sich eines besonderen Falles (in doppeltem Sinn des Wortes) an: 1950 sprang der Elefant „Tuffi“ aus der Wuppertaler Schwebebahn. Die Filmemacher rekonstruieren ein Stück lokaler Nachkriegsgeschichte („Der Fall des Elefanten“, 26. 8., 22.10 Uhr). Schließlich Stephan Köster: Der Hamburger Filmemacher hat sich dorthin begeben, wo die Welt noch in Ordnung sein sollte – auf die Galapagos-Inseln, jener vulkanischen Inselgruppe im Stillen Ozean, wo noch Riesenschildkröten und -echsen leben und viele Vogelarten, die es sonst nirgends mehr gibt.

Schulbuchwissen will Köster nicht verbreiten. Er ist auch nicht allein wegen der Urtiere auf die Inseln gekommen. Sein Bruder Fritz lebt dort, Meeresbiologe und Institutsleiter. Stephan Köster, der kleine Bruder, zeichnet ein liebevolles Porträt, wenngleich Fritz, der große Bruder, nur selten ins Bild kommt. Kösters Kommentare über den Bruder, lakonisch formuliert, mit sanfter Stimme gesprochen, lassen ahnen, was der große Bruder ihm immer bedeutet hat. Rasch wird klar: Stephan und Fritz mögen sich, doch wollen sie ihre Gefühle nicht zeigen. Der Filmemacher, die Begegnung mit seinem Bruder auf der Insel vorwegnehmend: „Wir geben uns nie die Hand, da sind wir eigen.“

Im Gegensatz zum Videokünstler Bill Viola geht Köster mit Worten nicht gerade sparsam um. Als filmende und photographierende Touristen ins Bild kommen, hört man Köster kommentieren: „Vom vielen Gefilmtwerden sind die Inseln ganz kahl.“ Daß er selber auch dazu beigetragen hat, sie ein bißchen kahler zu machen, ist wohl nicht zu leugnen. Doch Kösters Bilder sind originell, bizarr manchmal oder einfach schön.

Viele der Vulkaninseln sind unbewohnt. Nur die Riesenechsen, die, aus einer bestimmten Perspektive aufgenommen, aussehen wie E. T., dösen in der Sonne: stoisch ruhig, mehr Ehrfurcht als Furcht einflößend. Auf San Córistbal freilich leben auch Menschen: Ureinwohner und Siedler. Über die Siedler weiß Köster Abenteuerliches zu berichten. Sein Kommentar: „Über die Frage, ob die Menschen friedliebend sind oder nicht, kann man sich streiten. Auf dieser Insel im letzten Paradies war auf jeden Fall immer der Teufel los.“ Viel Humor schwingt in allem, was Köster über die Bewohner sagt.

Doch hier wird Köster ernst: „Die Inseln sind vom Aussterben bedroht. Es wird bald keine Inseln mehr geben.“ Darauf sein Bruder Fritz sibyllinisch: „Die Zeit vergeht, es wird bald keine Zeit mehr geben.“ Fritz und Stephan mögen sich, und die fernen Inseln sind ein schöner Ort, um das zu beweisen.

Anne Frederiksen