Westerland/Sylt

Wenn Syltbesucher über Sylt klagen, dann geht es um die Höhe der Kurtaxe oder die zu hohen Preise schlechthin, um zu wenig Sonne und zu viele Autos. Wenn Sylter über Sylt klagen, dann geht es um das „Sommerloch“ vor Beginn der Ferien, wo zu wenig Besucher zu wenig Geld auf der Insel gelassen haben.

Am vergangenen Wochenende gab es nun ganz anderen Grund zur Beschwerde, und Syltbesucher wie Sylter hatten ihn gleichermaßen: Da kamen Leute in Scharen, die zwar Zeit und Appetit hatten, aber kein Geld.

Zwei-, dreihundert Punks aus Hamburg und anderswo wollten auf der Insel ihre traditionellen „Chaos-Tage“ feiern. Das Chaos blieb schon deshalb aus, weil die Sylter Polizei, verstärkt durch zwei Hundertschaften aus Kiel, die Punks gleich wieder auf den Rückweg schickte: per Bundesbahn in Extra-Waggons. Ursache der rigorosen Insel-Säuberung: Punks hatten ein altes Haus besetzt und sich Molotow-Cocktails gebastelt, um sich – wie sie sagten – gegen den Angriff einer Sylter Bürgerwehr zu schützen. Mehr als die Mollies fürchtete die Polizei wohl Szenen wie im vergangenen Jahr, als hungrige Punks die Restaurants heimsuchten und Schnitzel von Gästetellern schnappten.

Daß die „Chaos-Tage“ diesmal endeten, bevor sie richtig begannen, ist eigentlich schade, denn die Idee der Punks, durch ihr Erscheinen auf Sylt das „Protzen mit Geld“ in Frage zu stellen, hätte im Rest der Republik durchaus Sympathisanten gefunden.

Tip fürs nächste Mal: Was Ordentliches anziehen und statt Hansa-Pils ein paar Hunnies mitnehmen (Hundertmarkscheine, d. Red.), dann klagen weder Sylter noch Syltbesucher, sondern alle machen einfach mit.

DZ