Hans-Dietrich Genscher, so darf man vermuten, ist dieser Tage ungewöhnlich vergnügt. Zunächst war es ihm gelungen, eine Nachfrage aus Bayern, wie denn, gegebenenfalls, der österreichische Vizekanzler Steger zu behandeln sei, wenn er an dem Anti-Wackersdorf-Festival teilnehmen wolle, so zu benutzen, daß daraus zwanglos eine Demonstration Münchner Tolpatschigkeit auf dem Felde der Außenpolitik entstand. Aber anstatt die Rache später und still zu genießen, ließ sich Franz Josef Strauß zu einem Revanche-Foul hinreißen. Verständlich, aber nicht sehr klug.

Die weder neue noch aufregende Ankündigung Genschers, er wolle Außenminister bleiben, beantwortete Strauß mit einer Philippika. Von „pseudodiplomatischen Sondertouren“ war die Rede, von der sozial-liberalen Kontinuität, die auch dem Kanzler zu denken geben müsse. Ceterum censeo: Es sei Zeit für einen Wechsel im Auswärtigen Amt.

Auch die Ansichten und Absichten von Strauß sind nicht neu. Was daraus wird, entscheidet die Wahl. Der FDP jedenfalls kommt die Polarisierung Genscher/Strauß gelegen; sie hat damit gute Erfahrungen gemacht. Horst Ehmke sah sich denn auch schon zu der Warnung genötigt, die Alternative heiße nicht Strauß oder Genscher, sondern Kohl oder Rau. Und Regierungssprecher Schmülling, befragt, wie er früher, als er noch im Dienste der FDP stand, in einer solchen Situation reagiert hätte, entgegnete keß: „Vergelt’s Gott.“ R. Z.