Den chilenischen Carabineros kann man nicht nachsagen, daß sie sich durch Respekt vor der Menschenwürde auszeichnen. Das sollte auch der deutsche Militärattache in Santiago gewußt haben, als er von dieser Polizeitruppe einen Orden entgegennahm und sich mit den Worten bedankte, er wisse Berufsauffassung und Integrität dieser Truppe zu würdigen, die mit ihrem Blut die fundamentalen Werte des Volkes gegen den internationalen Gegner und seine unheilbringenden Ableger verteidige. Peinliche Sätze aus dem Munde eines Offiziers der Bundeswehr. Der Mann gehört zum Troß.

Heiner Geißler hat sich über diese Rede erregt; zu Recht, sie hätte nicht gehalten werden dürfen. Aber der Generalsekretär der CDU hat bei seinem Besuch in Chile noch mehr Tadelnswertes an unserer Botschaft entdeckt, nämlich einen beklagenswerten Mangel an Kontakten zur demokratischen Opposition Chiles. Da irrte er nun. Säuberlich listete das Auswärtige Amt auf, wer mit wem wie oft gesprochen, gespeist oder getrunken habe – eine beeindruckende Aufstellung, in der Tat, so umfassend, daß die Entgleisung des Militärattaches unterm Strich aufgewogen sein sollte.

Wenn da nicht ein Unbehagen bliebe! Reicht die öffentliche Kritik eines Politikers, damit die Diplomatie plötzlich offenlegt, was sie aus gutem Grund sonst nicht an die große Glocke hängt, zum Beispiel die Kontakte zu Gruppen, die der Regierung, bei der sie akkreditiert ist, ungelegen sind? Diplomatie hat auch etwas mit Schweigen zu tun. Der Militärattache hätte es wissen müssen, das Auswärtige Amt und auch Heiner Geißler.

H. B.