Wenn nicht wieder so ein rüdes Tackling dazwischenkommt, dann ist dem SV Werder Bremen für die beginnende Bundesligasaison die größte Verstärkung sicher, ohne daß er dafür auch nur einen einzigen Pfennig drauflegen muß: Rudi Völler steht wieder zur Verfügung. Zu Beginn der vergangenen Saison war der teuerste Stürmer des deutschen Fußballs so schwer verletzt worden, daß er seinem Klub bis zum Schluß fehlte. Trotzdem wären die Bremer um ein Haar vor dem FC Bayern Meister geworden.

Auch diesmal setzen die meisten Experten wieder auf die Bayern (fast alle Bundesliga-Trainer tun das), aber ein Gefühls-Nachschlag der Sympathie gilt den Bremern. Die Bayern haben ihren Spielmacher Sören Lerby an den AS Monaco abgegeben. Es ist zweifelhaft, ob Andreas Brehme ihn ersetzen kann.

Mein Tip: Diesmal schaffen es die Bremer vor den Münchenern.

Auch mit dem VfB Stuttgart wird zu rechnen sein. Zwar hat der VfB Karlheinz Förster an Olympique Marseille verkauft, aber das weinerliche Abschiedswort des Präsidenten Mayer-Vorfelder ("ein Stück VfB hat uns verlassen") fällt sicherlich weniger ins Gewicht als die Ablösesumme von 3,5 Millionen Mark, die den sparsamen Schwaben ermöglichte, Immel (Dortmund), Schröder (HSV) und Beierlorzer (Bayern) zu verpflichten. Prognose: dritter Platz hinter Werder und Bayern.

Eine große Chance, ganz nach vorn zu kommen, hat auch Bayer Uerdingen. Diese Mannschaft holte aus den letzten zwölf Spielen der vergangenen Saison 22:2 Punkte. Kein Bundesliga-Team war in diesem Zeitraum erfolgreicher. Die Uerdinger haben sich noch verstärkt. Sie kauften für 1,3 Millionen vom VfL Bochum den Torschützen-König der vergangenen Saison, Stefan Kuntz. Wenn sich jetzt auch noch Trainer Feldkamp und Mannschaftskapitän Herget vertragen – sie waren sich wegen unerledigter Herrschaftsansprüche bisher nicht grün –, dann könnte dieses Bayer-Team sogar zum Meisterschaftskandidaten werden.

Eine Rolle, die man dem HSV zur Zeit nicht zutraut. Trainer Happel hat Magath (er ist nun Manager), Rolff und Schröder verloren. Von den Neuen verdient bestenfalls der technisch perfekte Miroslaw Okonski aus Polen einen Bonus auf die Hoffnungen von morgen.

Die Kölner haben Thomas Allofs vom 1. FC Kaiserslautern geholt und ihn seinem großen Bruder Klaus im Angriff zugeordnet. Das müßte mehr Durchschlagskraft ergeben. Für den an Racing Paris verlorenen Littbarski haben sie den Engländer Woodcock – er war schon mal in Köln – vom FC Arsenal zurückgeholt. Also mehr Plus als Minus. Trotzdem, auf die Kölner zu tippen, ist seit Jahren riskant. Der 1. FC Köln wird hinter Mönchengladbach und Leverkusen rangieren.