Als die „Schwarzwaldklinik“ im Winter 1983 in meinem Kopf die erste Form annahm, da dachte ich so bei mir: das könnte was werden. Als im Sommer 1983 die erste Drehbuchfassung von Herbert Lichtenfeld vorlag, ahnte ich: das wird was. Als dann im Herbst 1985 alle 23 Folgen abgedreht, geschnitten, gemischt und zur Sendung freigegeben waren, wußte ich: das ist was.

Produzent Wolfgang Rademann in einer Pressemitteilung des ZDF zum Start der Dreharbeiten für elf neue Folgen der beliebten Fernsehserie.

Hollywood: Gespenster im Dschungel

Es kann immer noch schlimmer kommen, als man denkt. Die Filmkritiker, die sich seit Monaten über die Schwachsinnsorgien aus Hollywoods Traumfabrik ereifern, werden sich noch wundern. Da taucht in den Produktionsprospekten der US-Großverleiher mindestens ein halbes dutzendmal Der Name Rambo auf. Im New Yorker Central Park führt ein Mann „wie Rambo“ einen „Krieg im Alleingang“: Ein „Action-Drama“, das „jeden berühren wird“. Wo Rambos Muskeln glänzen, ist die US-Armee nicht weit. Seit dem Hit „Top Gun“ (ab heute bei uns im Kino) besitzt der Soldatenberuf im amerikanischen Film mehr Glamour als jeder Rockstar. In einem dieser neuen „War-Pornos“ besitzen diese „härtesten Burschen“ das „logistische Denkvermögen eines Computers“ und die „Kampfkraft einer ganzen Sondereinheit“. Da darf die „schonungslose Aufarbeitung“ des „gnadenlosen Dschungelkriegs“ in Vietnam nicht warten: Hollywood stellt zwei junge Amerikaner „in Konfrontation mit Blut, Brutalität und Tod“, das „fügt dem engagierten Action-Kino eine neue Dimension“ hinzu. Die Welt ist weit, und überall haben die Amerikaner Ärger; daß sie ihn oft selber anstiften, verschweigt Hollywood, ganz klar. Ganz aktuell: „Hochspannung im südamerikanischen Dschungel“. Arnold Schwarzenegger, der Muskelbub aus Graz, landet mit einer Sondereinheit der Armee im Urwald eines nicht näher benannten zentralamerikanischen Landes. Dort geschehen, „unheimliche, unerklärliche Dinge“. Eine „mysteriöse, mörderische Kreatur“ treibt ihr Unwesen, „offenbar nicht von dieser Erde“. Ein bißchen so sieht es Ronald Reagan auch, wenn er nach Mittelamerika guckt. Es ist herrlich, was für Metamorphosen die Politik im Kino erfährt.

Teddy Wilson

Ohne Teddy Wilson wäre das Benny-Goodman-Trio und -Quartett mit den Berserkern Gene Krupa am Schlagzeug und Lionel Hampton am Vibraphon nur die Hälfte wert gewesen. Teddy Wilson war es, der 1935 in Goodmans Trio, diesem ersten „Anti-Arpartheid-Ensemble des Jazz“, die Rassisten zum Schäumen brachte und den Klavier-Maniacs am Hofe des Swing-Königs einen strahlenden Prinzen bescherte. Wilson, der in Chicago noch die Aura von Louis Armstrong und Jimmie Noone auf sich hatte wirken lassen können, der von den Kollegen Earl Hines, Art Tamm und Fats Waller gelernt hatte, siebte aus allem eine sehr urbane Eleganz heraus, die die bäuerische Herkunft des Jazz vergessen machte. Seine Plattenaufnahmen mit der genialen Sängerin und Stadtneurotikerin Billie Holiday Ende der dreißiger Jahre sind noch heute unverwitterte Hünengräber des Swing. In den Vierzigern arbeitete Wilson fast jeden Abend mit seinem Sextett im New Yorker „Café Society“ am Sheridan Square. Sein Spiel war in jenen Tagen: federleicht, perlend, belebend und einen Drive erzeugend, der nie ordinär war. Wilsons Jazz hatte sozusagen immer gute Manieren, kannte noch nicht die Wutanfälle des modernen Jazz. In den Sechzigern, schon graumeliert und mit gichtgeplagten Fingern, spielte er zum Dinner in ersten Restaurants auf. Dutzende von Platten werden es für immer verkünden: Wilson war einer der großen Pianisten des Jazz. Am letzten Donnerstag ist er, 73 Jahre alt, in New Britain/USA gestorben.

Mit dpa im Festspielsommer

Die Korrespondenten waren überall dabei. Für die Presseagentur, die sich stolz die Deutsche nennt. Dieter Lechner zum Beispiel in Bayreuth: „Bei diesen Bayreuther ‚Meistersingern‘ läßt der Nachfahre des einstigen Revoluzzers Wagner auch noch einen regelrechten Straßenkrawall in Szene gehen, fast einen Aufstand, begangen von guten Bürgern im Nachthemd und Zipfelmütze. Eine prophetische Vorahnung jüngster Ereignisse?“ An welches Wackersdorf Lechner/Wagner wohl dachten? Weiterhin stellt Lechner fest: „Der ‚Homo Wagner Bayreuthiensis‘, erkennbar am Kissen unter dem Arm, droht auszusterben. Vorbei ist die Zeit der knarrenden, knochenharten Holzstühle.“ Und auch das gehört bei dpa dazu: „In keinem Opernhaus der Welt verspeisen Herren im Seidensmoking und Damen in langer Samtrobe während der Pausen fränkische Bratwürstchen vom Rost mit bloßen Händen und trinken dazu Bier aus Pappbechern. Wer es jedoch vornehm haben will, kann sich an den Menüs delektieren, die der Festspielgastronom feinsinnig passend zum Werk für 43 Mark komponiert hat. Da gibt es zu Siegfried’ Perlhuhn und Waldpilze, zur ‚Walküre‘ eine Lammkeule und zum ‚Tristan‘ Fisch und Meeresalgen.“ Wohin der komponierende Gastronom wohl seine Gäste im „Parsifal“ schickt? In Salzburg hatte für Klaus Gruber beim „Figaro“ Ponnelle sich „im übrigen mit Erfolg um eine Balance zwischen rebellischem Grollen gegen eine übermütig gewordene Herrschaft und tiefempfundenen Seelenporträts der Hauptgestalten bemüht“. Nebenan fand ein Ungenannter heraus: „Die zwanglose Alternative zu den Festspielen im Park des ehemaligen fürst-erzbischöflichen Lustschlosses stand diesmal unter dem Motto ‚Österreich und Italien‘, wobei auch des 200jährigen Jubiläums von Goethes italienischer Reise gedacht wurde, die ja über österreichisches Gebiet führte.“ Im apulischen Macerata erkannte Ludwig Mielke: „Nur einige professionelle Kritiker auf der Pressetribüne runzelten die Stirn über die einfallslose Regie von Ivo Guerra, über den hörbar verbrauchten Sopran von Bruna Baglioni und den allzufröhlich hingeschmetterten Tenor von Giorgio Merighi. Beim ‚Bajazzo‘ war Maceratas Opernwelt dann wieder vollkommen heil: Tonios Prolog (John Rawnsley) und Canios Monolog (Giuseppe Giacomini) schallten kraftvoll und fehlerlos durch das langgezogene Halbrund, das Maceratas Bürger Anfang des 19. Jahrhunderts errichteten, um ihrem inzwischen ausgestorbenen Lieblingssport, eine Art Vorläufer von Squash, zu frönen.“