An der Côte d’Azur fließen die Petrodollars nicht mehr wie früher

Die ersten kommen nach Ostern. In Massen treffen sie im August ein, und kaum hat der Herbst begonnen, sind sie wieder abgereist: die Besucher aus dem Nahen Osten, die besonders in und um Cannes nicht zu übersehen sind. Sie lassen ihre Petrodollars in Spielcasinos, feinen Restaurants, schicken Nachtclubs, renommierten Juweliergeschäften, Boutiquen für Haute Couture, Luxusläden aller Art.

Seit 1975 kamen zunächst vor allem die Iraner an die Côte d’Azur, heute geben die Araber aus den Golfstaaten den Ton an. Ihnen gehören die dicksten Jachten, sie kaufen die aufwendigsten Villen, organisieren die glanzvollsten Feste und geben an einem Tag mehr Geld aus, als die meisten Gäste von Cannes in einem Monat verdienen. In diesem Sommer aber stellen Kaufleute, Barkeeper und Restaurantbesitzer fest, daß die Reichen aus dem Morgenlande deutlich weniger spendabel geworden sind. Die Immobilienmakler haben die Zurückhaltung der Fremden schon vor geraumer Zeit zu spüren bekommen.

Zur Zeit des Schah kauften sich reiche Iraner entlang der Küste ein. Ende der siebziger Jahre wurde der Umfang dieser Geschäfte auf etwa sechshundert Millionen Francs (etwa zweihundert Millionen Mark) geschätzt. Dann kamen die Saudis im Gefolge ihres Königs Fahd, der das Château de l’Aurore, das Schloß der Morgenröte am Eingang von Golfe-Juan, restaurieren ließ. Auch für die Scheichs aus Bahrein, Omar, Katar und Kuwait war nichts zu schön und nichts zu teuer. Der Saudi Mäzen Pharaon leistete sich ein Tausend-Quadratmeter-Appartement für vierzig Millionen Francs – und das war kein Einzelfall. Der steinreiche Geschäftsmann Adnan Kashoggi erstand die oberste Etage der Residenz „Marly“ am Boulevard de la Croisette in Cannes. Mouaffak Al Midani, ein anderer Multimillionär aus Saudi-Arabien, ließ sich neben einer Supervilla gleich noch ein neogotisches Schloß herrichten.

„Der große Ansturm“, so Jacques Longuet, Präsident des französischen Maklerverbandes FNAIM, „begann 1978 und hielt bis 1981 an. Dann kam in Frankreich die Linke an die Macht, und der Markt kühlte sich ab. Doch die Investoren vom Golf merkten rasch, daß es angesichts der Wirtschaftskrise nicht mehr möglich war, ihre Besitzungen ohne deutliche Verluste zu veräußern. Sie blieben da, hielten sich aber mit neuen Käufen zurück.“

Immerhin wurden in den vergangenen zehn Jahren auf dem Gebiet von La Californie, dem Sonnenhügel oberhalb von Cannes, gut hundert Immobilientransaktionen im Wert von acht bis fünfzehn Millionen Francs abgewickelt, dazu etwa dreißig „Supergeschäfte“ in Größenordnungen von hundert und mehr Millionen. Heute lassen sich solche Transaktionen innerhalb eines Jahres an den Fingern einer Hand abzählen. Die orientalischen Luxuspaläste sind, wenn sie ihren Eigentümern nicht mehr gefallen, so gut wie unverkäuflich.

Salah Kamel zum Beispiel, Präsident einer großen saudischen Bank, ließ sich vor ein paar Jahren hinter Cannes am Chemin de la Colline zwei Paläste bauen. Sie waren kaum bezugsfertig, da wurden sie für zusammen siebzig Millionen Francs zum Kauf angeboten. Bei solchen Preisen käme als Erwerber wohl nur ein Petrodollar-Millionär in Frage – doch bisher fand sich keiner.