Besonders dankbar sind meist die älteren Leute. Die sind meistens ganz durchgedreht, wenn sie den Schlüssel verloren haben und freuen sich richtig, wenn ich dann komme.

Da braucht man viel psychologisches Geschick, um sie wieder zu beruhigen, aber hinterher geben sie die größten Trinkgelder. Die jüngeren Leute sind oft ganz cool, gehen in der Zwischenzeit in die Kneipe und sagen, ich soll sie später wieder abholen. Natürlich gibt es auch traurige Fälle, wenn jemand zum Beispiel auf der Toilette sitzt und der Schlüssel abbricht. Oder Fälle, wo man diplomatisch sein muß; da sind die Eltern ganz furchtbar aufgeregt, weil sich die Gören im Kinderzimmer eingeschlossen haben, und wenn man dann aufmacht, ist drinnen Highlife. Die hatten sich schon gefreut, daß sie die ganze Nacht ungestört sind.

Arbeitslos werde ich bestimmt nicht so schnell, schon weil die Einbrecher immer gewiefter werden. Die echten Profis, die sind in einer Minute drin, das geht vollkommen geräuschlos, da können Sie auf dem Balkon sitzen und merken gar nichts. Außerdem gibt es immer noch Leute, die Schlösser ohne irgendwelche Sicherungen haben. Da braucht man nur den Finger durchzustecken, und schon ist die Tür auf. Ich sag’ dann immer, lassen Sie die doch lieber gleich sperrangelweit offen, das kommt billiger, da müssen Sie hinterher nicht das Schloß auswechseln.

Gute Kunden sind die ganz Ängstlichen, die ihre Türen mit fünf Schlössern verrammeln und verriegeln und das Fenster auflassen. Und Ehepaare, die sich verkracht haben. Neulich hab’ ich in einer Wohnung am selben Tag sechsmal neue Schlösser eingebaut, zuerst rief der Mann an, dann die Frau und immer so abwechselnd; zum Schluß hab’ ich den Mann gefragt, ob wir nicht auf seine Angetraute warten sollten, wäre doch bequemer. Fand der aber nicht komisch. Irgendwann müssen sich die beiden getroffen haben, jedenfalls war am Abend plötzlich Ruhe.

Manchmal sind so Ehegeschichten aber auch heikel, wenn zum Beispiel der Mann besoffen im Bett liegt und die Frau nicht zur Tür rein kann; da denk’ ich mir, lieber nicht provozieren, vertiefe mich ganz ins Rechnung schreiben und tue so, als wäre alles ganz normal.

Besonders positiv wirkt sich aus, wenn Eduard Zimmermann im Fernsehen war, dann klingelt am nächsten Tag bei uns pausenlos das Telephon, weil alle Angst vor Einbrechern haben. Auch meine Berufskollegen schaue ich mir gern im Fernsehen an, finde ich immer sehr lustig, wie die Jungs mit ’ner Scheckkarte die Studiotür aufmachen oder mit ’nem winzigen Dietrich rumfummeln. Das ist natürlich Humbug, wenn’s so einfach wäre, brauchte man ja keine Türen mehr, sondern könnte gleich ’nen Vorhang vorhängen.

Ich mein’, bei mir geht das natürlich auch ruckzuck, wenn ich bohren muß, fünf Minuten, aber dazu brauche ich schon spezielles Werkzeug und einige Tricks.