„Blue City“ von Michelle Manning

Die Vorausmeldungen klangen vielversprechend: Einer der wichtigsten amerikanischen Romane der zwanziger Jahre gab die Idee: Dashiell Hammetts „Red Harvest“. Und einer der wichtigsten Autoren der Detektivliteratur lieferte die Vorlage: Ross Macdonald. Einer der interessantesten Regisseure des heutigen Hollywood arbeitete am Drehbuch mit: Walter Hill. Und einer der interessantesten Pop-Musiker komponierte und arrangierte die Musik: Ry Cooder.

Der Film selbst allerdings ist eine einzige Enttäuschung. Macdonalds vieldeutiger Roman über den uralten Kampf um Politik, Macht und Geld ist eingeebnet zu einer platten, allzu gradlinigen und eindeutigen Rache-Story. Blue City, eine mittelgroße Stadt (halb Florida, halb Kalifornien), wird beherrscht von einem windigen Geschäftemacher und einer Clique korrupter Polizisten. Ein junger Typ, gerade dem Halbstarkenalter entwachsen, kehrt nach Jahren in diese Stadt zurück – auf der Suche nach seinem Vater und seiner eigenen Vergangenheit. Als er erfährt, daß sein Vater ermordet wurde, schwört er, den Mörder zu finden. Er sei altmodisch, sagt er, er wolle Gerechtigkeit. Doch wie er dann durchsetzt, was er will, ist reiner Kinderkram. Michelle Manning inszeniert ihren Film, als gehe es ihr allein um die Kids im Saal, um solche nur, die aufheulen, wenn der flotte Held den Erwachsenen einmal zeigt, was eine Harke ist.

Der einzige, der alle Erwartungen erfüllt, ist Ry Cooder. Vielleicht genießt man diesen Film am ehesten, wenn man nach den ersten Bildern die Augen schließt – und einfach nur noch seiner wunderbaren Musik lauscht. Norbert Grob

„FX – Tödliche Tricks“ von Robert Mandel

Zum Dessert gibt’s Leichen: Ein Killer stürmt ins Fischrestaurant. Er hat es nur auf sein untreues Liebchen abgesehen, aber dann packt ihn die Mordlust. Leiber werden zerfetzt, Aquarien bersten, und eine trübe Brühe aus Blut und Fischsud schwappt übers Parkett. „Cut“, ruft eine herrische Stimme, dann schwenkt die Kamera weg vom Blutbad hin zu einer Gruppe fröhlicher Männer: Das Filmteam gratuliert seinem Special-Effects-Experten Rollie Tyler zum Gelingen der grausamen Szene. Die Hauptdarstellerin teilt schon das Bett mit Tyler: Wir ahnen, daß die Trickspezialisten inzwischen ganz oben stehen in der Hierarchie Hollywoods.

Einige Tage später, beim feinen Italiener: Johnny De Franco, Ex-Mafioso und unentbehrlicher Kronzeuge gegen das organisierte Verbrechen, stochert noch in seiner Vorspeise. Plötzlich steht Rollie Tyler vor ihm, zieht einen Revolver, drückt fünfmal ab. Blutüberströmt, tödlich getroffen, sackt De Franco zu Boden. Auch dieser Mord ist fingiert. Regie aber führt kein Profi aus Hollywood, sondern eine geheime Regierungsbehörde: Man will De Franco vor der Rache der Mafia bewahren. Wir Zuschauer ahnen, daß die Trickspezialisten auch in der Hierarchie der Behörden ganz oben stehen. –