Diebereien rund ums Auto, die in früheren Jahren für südliche Länder sprichwörtlich waren, haben in der Bundesrepublik in einem bisher nicht gekannten Ausmaß zugenommen. Bevorzugtes Klau-Objekt ist das Autoradio, das mittlerweile zur Standardausrüstung der meisten neuen Autos gehört.

Nach Hamburg und Berlin haben jetzt auch Köln, Frankfurt und München einen führenden Platz in der Diebstahl-Statistik eingenommen. Geknackt und gestohlen wird überall: auf Parkplätzen unter der Laterne, vor Hotels, in Tiefgaragen und auf Stellplätzen. Die jetzt veröffentlichten Zahlen können jeden das Gruseln lehren, der um die Sicherheit seines Eigentums besorgt ist: Im vergangenen Jahr wurden in der Bundesrepublik nicht weniger als 260 000 Autoradios gestohlen, im Vergleich zum Vorjahr ist das eine Steigerung um 30 Prozent. Die Versicherer mußten daraufhin ihre Aufwendungen um 80 Millionen auf 270 Millionen Mark erhöhen. Allein in Hamburg stieg die Zahl der Autoaufbrüche 1985 um 6000 auf 48 000, was den Polizeipräsidenten Dieter Heering, noch bevor er durch die Bluttat im eigenen Hause ins Kreuzfeuer der Kritik geriet, zu der lapidaren Feststellung veranlaßte: „Niemand soll sich einbilden, sein Auto könne so etwas wie ein Banksafe sein.“ Mit Erfahrungsberichten seiner Fahnder untermauerte Heering, wie schnell und mit welch geringem Risiko für den Verbrecher die Eigentumsverhältnisse gewaltsam verändert werden.

Ein routinierter Dieb öffnet in zehn Sekunden das Fahrzeug seiner Wahl, in weiteren zehn Sekunden zieht er das Radio heraus. Heering: „Es geht so schnell, daß Zivilfahndem nicht genügend Zeit bleibt, um einen großen Parkplatz zu überqueren und den Dieb zu stellen.“ Wenn sie dann aber doch einmal einen dieser Gauner ausfindig machen, geraten die Beamten erwartungsgemäß in Beweisnot. Denn Autoradios werden, anders als Autos, ohne Seriennummer im Chassis ausgeliefert. Die Gerätenummer ist nur aufgeklebt und kann deshalb leicht entfernt werden.

Bevorzugte Objekte sind Autoradios und -anlagen im Wert von mehr als 1000 Mark, die entweder auf dem schwarzen Markt verhökert oder in Sammeltransportern nach Übersee verschifft werden. Erst kürzlich fiel im Hamburger Hafen ein für Südamerika bestimmter Container mit über 2000 Klau-Radios auf.

Einem Frankfurter Journalisten wurde in der vermeintlich sicheren Tiefgarage seines Wohnhauses innerhalb von zwei Monaten dreimal das Auto geknackt, jedesmal verschwand das neue Autoradio. Den Fahndern ging schließlich eine dreiköpfige Diebesbande von Zwölf- bis Fünfzehnjährigen ins Netz, die auf Bestellung gestohlen und für jedes hochwertige Radio 100 Mark kassiert hatten. Die Hintermänner indessen verschwanden spurlos. Aber selbst wenn sie geschnappt werden, ist ihnen damit noch kein Platz im Kittchen sicher.

„Es ist für unsere Beamten frustrierend, wenn sie einem mutmaßlichen Dieb alle sichergestellten Radios zurückgeben müssen, weil der behaupten kann, man habe sie ihm geschenkt“, sagte Polizeirat Manfred Köster, in Hamburg zuständig für die vorbeugende Verbrechensbekämpfung. Er hat erkennen müssen, daß zur Zeit noch niemand ernsthaft daran arbeitet, den fixen Dieben das Handwerk zu legen: Eine Kennzeichnung der Radios würde der Polizei die Arbeit durchaus erleichtern. Das zeigt zum Beispiel die erfolgreiche Kooperation von Herstellern, Versicherern und Polizei bei der Sicherung von Zweirädern in der Hansestadt. Seit Fahrräder und Mopeds im Versicherungs-Computer registriert sind, ist die Zahl der Diebstähle erkennbar gesunken.

Was den Autoradioherstellern angeblich zu teuer ist, haben die Versicherer jetzt angeboten: Sie sind bereit, alle Radios im Neuwert von mehr als 1000 Mark mit Hilfe der Datenverarbeitung zu registrieren. Den Besitzern wertvoller Autoradios empfehlen sie: