Wichtiger Partner und scharfer Konkurrent zugleich ist das Wirtschaftswunderland Japan für die Bundesrepublik. Fast 50 000 Deutsche fuhren im Jahr 1985 ins ferne Nippon. Grund genug für die Japanische Fremdenverkehrszentrale in Frankfurt, eine Untersuchung über das Reiseverhalten dieser Besuchergruppe durchzuführen.

Das markanteste, wenngleich nicht sonderlich überraschende Resultat der jüngst in einer Pressemitteilung publizierten Befragung: Fast 60 Prozent der deutschen Gäste kamen 1985 aus geschäftlichen Gründen nach Japan. Etwas mehr als 10 Prozent kombinierten den Busineß- mit einem privaten Aufenthalt, der Anteil der Ferienreisenden hingegen betrug nur knapp 20 Prozent.

Fast die Hälfte der deutschen Reisenden wählte Japan als einzige Reisedestination, noch etwas mehr, nämlich 53 Prozent, setzten die Fahrt zu anderen Zielen fort, fuhren hauptsächlich weiter nach Hongkong (rund 25 Prozent), nach Singapur (19 Prozent), nach Thailand (18 Prozent), nach Korea oder Taiwan (jeweils 15 Prozent).

Die beiden speziell für Geschäftsleute wichtigsten Wirtschaftszentren, Tokio und Osaka, verzeichneten denn auch die landesinternen Rekorde: 80 Prozent der Deutschen besuchten Tokio, 43 Prozent waren in Osaka. In die Kongreßstadt Kyoto, jahrhundertelang die Hauptstadt des Kaiserreichs, fuhren immerhin noch 34 Prozent der deutschen Besucher.

International betrachtet, hat der japanische Messetourismus binnen eines Jahres einen rapiden Aufschwung genommen, mit 218 internationalen Messen wurde 1985 das Vorjahresergebnis um 52 Prozent übertroffen. Die meisten dieser Veranstaltungen, so das Japanische Fremdenverkehrsamt, trug Tokio aus (insgesamt 121 Messen), mit weitem Abstand folgte Osaka (37 Messen).

Wegen des auch international starken Zustroms von Geschäftsreisenden setzen die Japaner speziell auch auf den Tagungs- und Kongreßtourismus. 438 internationale Tagungen mit insgesamt 158 824 Teilnehmern verzeichnete die Statistik im vergangenen Jahr.

Die Hauptstadt Tokio nimmt zwar weltweit nur die 17. Stelle unter den traditionellen Kongreßstädten ein, ist aber im Land selber auch in diesem Marktsegment Spitzenreiter: 184 Konferenzen gingen dort 1985 über die Bühne, das sind mehr als 40 Prozent. Allerdings bemüht sich Japan neuerdings, den Konferenztourismus zu dezentralisieren, außer dem begehrten Wirtschaftsraum Mitteljapans mit den Großstädten Kobe, Kyoto und Osaka (zusammen 123 Tagungen im letzten Jahr) auch andere Ziele attraktiver zu machen. Die Erfolge sind freilich noch recht bescheiden, wie die Daten zeigen: Sapporo beispielsweise richtete lediglich 25 Tagungen aus, die Stadt Sendai brachte es gar auf nur 10 Kongresse.