Brathendl-König Friedrich Jahn ist mit merkwürdigen Methoden ein Comeback gelungen

Friedrich Jahn ist wieder da – so als wären die vergangenen vier Jahre nur ein Spuk gewesen. Er gibt Interviews wie eh und je, mit einer Spur von Wehleidigkeit, aber voller unverdrossenem Optimismus, den Blick fest auf sein Wappentier, das Brathendl, gerichtet. Der deutsche Wienerwald gehört ihm wieder. Sein Comeback gerät dem Hendl-König genauso spektakulär und mit einem Hauch von Skandal umweht wie vier Jahre zuvor sein Abgang.

Anfang 1982 war der Wienerwald-Konzern zusammengebrochen, weil sich Jahn durch seinen ungezügelten Expansionsdrang vor allem in Amerika total verspekuliert und in eine ausweglose Situation gebracht hatte. Bei 25 deutschen und schweizerischen Banken sowie seinen Lieferanten war er mit über 250 Millionen Mark verschuldet. Die Schweizer Holding in Feusisberg und die deutschen Wienerwald-Firmen mußten deshalb vor vier Jahren den Vergleich anmelden.

In beiden Fällen waren die Gläubiger kulant: Der Vergleich der Wienerwald GmbH, der Münchener Stammfirma, wurde bis Juni 1984 planmäßig abgewickelt. Die Gläubiger erhielten exakt vierzig Prozent ihrer Forderungen von hundert Millionen Mark, an bevorrechtigte Kreditgeber und den Fiskus wurden weitere zehn Millionen Mark gezahlt. Gegen die Schweizer Wienerwald Holding AG waren rund 110 Millionen Franken Forderungen geltend gemacht worden. Die Gläubigerbanken schlossen sich hier zu der Svido Abwicklungsgesellschaft zusammen, die ein Genußscheinkapital von dreißig Millionen Franken zeichnete, das sich aus zwei Millionen Kapitalherabsetzung zusammensetzte. Ein Teil der Aktien wurde zuvor an die Gläubiger abgegeben.

Die fünf Millionen Schweizer Franken Aktienkapital der nach Luzern verlegten Holding blieben zwar nominell im Besitz von Jahn, der dem Namen nach weiter Präsident des Verwaltungsrats war, aber er unterwarf seine Stimmrechte den Wünschen der Gläubiger; eine komplizierte Konstruktion.

Als neuen Chef der Holding wie der deutschen Stammfirma holten sich die Banken 1983 den Gastronomiefachmann Andreas Kersten. Er bemühte sich mit viel Elan, die Reste des Konzerns wieder zur Blüte zu bringen und vor allem den verbliebenen deutschen Restaurants ein neues, freundlicheres Erscheinungsbild zu geben. Von zuletzt rund 250 Millionen Schweizer Franken Konzernumsatz (ohne die Erlöse der Franchisenehmer) entfielen 62 Prozent, also gut 180 Millionen Mark, auf den deutschen Wienerwald und der größte übrige Teil auf Österreich.

Die Rückkehr Jahns vollzog sich in zwei Etappen: Völlig überraschend haben zunächst die Svido-Banken Ende Juni ihr Genußscheinkapital für nur zehn Millionen Franken (weitere zwei Millionen wurden von späteren Erträgen abhängig gemacht) verkauft: an die Münchnerin Renate Thyssen, eine attraktive, resolute und recht vermögende Geschäftsfrau. Sie war früher mit dem Industriellen-Sproß Bodo Thyssen verheiratet.