Unter den Schwarzen Südafrikas wachsen Wut und Enttäuschung – Moskau gewinnt an Boden

Von Allister Sparks

Jedesmal, wenn Thatcher und Reagan sich halbherzig zur Apartheid äußern, kommt mir die Galle hoch“, schrieb vor kurzem ein schwarzer Journalist, „und ich brauche jedesmal meine ganze Kraft, um die Bitterkeit hinunterzuschlucken.“

Die dumpfe Wut über die verantwortlichen Politiker des Westens, die in diesen Worten durchbricht, – Helmut Kohl wird oft mit den beiden anderen in einer Art unheiliger Dreifaltigkeit jener vereint, die vermeintlich das weiße Regime in Südafrika stützen wollen – unterstreicht einen Aspekt der Sanktionen-Kontroverse, der bisher häufig unbeachtet geblieben ist. Denn es geht nicht nur darum, ob Sanktionen die weiße Regierung in Pretoria zur Umkehr zwingen können, und auch nicht nur darum, moralische Entrüstung zu demonstrieren. Sanktionen sind vielmehr für die Schwarzen Südafrikas zu einem entscheidenden Faktor westlicher Glaubwürdigkeit geworden.

Zwischen Worten und Taten

„Ich verabscheue den Kapitalismus“, erklärte Bischof Tutu vorige Woche während einer Chinareise. „Die Art und Weise, wie der Westen sich zur Apartheid verhalten hat, hat mich nicht davon überzeugt, daß ein kapitalistisches Land auch ein mitfühlendes Land ist.“ Der Friedensnobelpreisträger hat, wie er in derselben Rede sagte, auch für den Kommunismus wenig übrig. Als Priester Gottes stößt ihn der Atheismus ab. Aber nicht allen Schwarzen, die Freunde und Gegner in dem langen Kampf gegen die Apartheid auflisten, geht es ebenso. Fast dreißig Jahre hat die winzige, verbotene Kommunistische Partei Südafrikas mit sowjetischer Rückendeckung die schwarzen Unabhängigkeitsbewegungen tatkräftig unterstützt. Der Westen jedoch hat außer Kritik an der Apartheid kaum etwas zu bieten gehabt.

Inzwischen hat die Lage sich verschärft. Der Kampf der Schwarzen ist in eine neue, intensivere Phase eingetreten. Über zweitausend Menschen kamen während der letzten zwei Jahre bei gewalttätigen Zusammenstößen ums Leben. Die schwarzen Townships stehen praktisch unter militärischer Besatzung, und die Zahl der seit Verhängung des Ausnahmezustandes Inhaftierten wird auf zehntausend geschätzt. Da kann es nicht verwundern, wenn Sanktionen zum Maßstab dafür herhalten, ob ein Land bereit ist, den Schwarzen zu helfen, oder untätig bleiben will. Für die von Frustration und Leidenschaft aufgewühlten schwarzen Südafrikaner hält nur der zu ihnen, der auch zu Wirtschaftssanktionen bereit ist; wer es nicht ist, der steht zu dem weißen Regime in Pretoria. Am verheerendsten sind westliche Stellungnahmen, die pflichtschuldig erklären, wie verwerflich die Apartheid sei, um dann fortzufahren, Sanktionen gäben keinen Sinn, weil sie den Schwarzen mehr schadeten als den Weißen.