Über die Praxis diverser Hotel – Reservierungssysteme

Von Gesine Froese

Zweimal täglich, immer so gegen ein Uhr mittags und sechs Uhr abends, schaut Sabine Stöhr BTX-fern. Nicht etwa, um sich vielleicht neue Rezepte von Dr. Oetker abzurufen oder sich auf den buntflimmernden Seiten des Otto-Versand-Hauses über die neue Mode zu informieren (auch das könnte sie naürlich, wenn sie wollte). Sie schaut nach, ob Zimmerbestellungen eingegangen sind. Solche von Einzelpersonen irgendwo in Deutschland, eingegeben ins ganz persönliche BTX-Gerät, vielleicht im Sessel sitzend und eine Tasse Kaffee trinkend.

Sabine Stöhr ist die Leiterin des Verkaufs- und Reservierungsbüros der Hotelkette Mövenpick in Frankfurt. Als eines der wenigen entschied sich dieses Unternehmen für „Bildschirmtext“ als Reservierungs- und Buchungssystem. Und das, obgleich diese elektronische Spielart bislang in Deutschland, zumindest im Vergleich mit Frankreich, wenig erfolgreich war. Während nämlich die öffentliche Datenübermittlung per Bildschirmtext-Gerät dort rund 1,65 Millionen Teilnehmer fand, erreichte das BTX-Buch der Bundesrepublik mit rund 50 000 Teilnehmern bisher nicht einmal die Stärke eines städtischen Telephonbuchs.

Folglich ist Sabine Stöhrs tägliche Buchungsabfrage denn auch keine allzu zeitraubende Angelegenheit. Nur sehr wenige nutzen die Möglichkeit, Mövenpick aus dem Bildschirmtext-Angebot herauszupicken, aus dem pink auf blau präsentierten Hotel- und Zimmerangebot das richtige zu wählen und eigenhändig zu reservieren. Sabine Stöhr: „Vor allem kommen Prospektanforderungen.“ Diese beantwortet sie postwendend, Reservierungsanfragen dagegen BTX-wendend: Spätestens am nächsten Morgen flimmert das feedback ins Haus: die Absage oder die Buchungsbestätigung.

Ab 1. 9. und dann noch einmal ab 1. 10. wird sich für alle BTX-Besitzer indes eine Menge ändern. Denn von diesem Zeitpunkt an bietet BTX mit dem neuen Hotel-Reservierungssystem Telotel erstmals eine öffentliche Buchungszentrale von grenzüberschreitendem Ausmaß. Stufenweise werden erst die französischen, dann die britischen BTX-Teilnehmer angeschlossen. Und in Vorbereitung ist zudem eine Erweiterung bis zu den Niederlanden und nach Skandinavien. Damit können dann nicht nur die europäischen Nachbarn bequem über Telotel jedes angeschlossene deutsche Hotel buchen, sondern umgekehrt auch deutsche BTX-Teilnehmer das Angebot im Ausland über ähnliche Datenbanken nutzen. Zudem wird kein Hotel mehr die eingegangenen Einzel-Buchungen sammeln und per Hand bestätigen müssen – auch das übernimmt, zeitsparend per Sofort-Ausdruck, Telotel.

Die Europäisierung von BTX eröffnet zweifellos vor allem dem sogenannten „Endverbraucher“ ungeahnte neue Möglichkeiten – einmal ganz abgesehen von der enormen Vergrößerung des Kundenkreises für die angeschlossenen Hotels. Bisher war die Heimbuchung freilich die große Ausnahme. Und das nicht nur, weil BTX hierzulande eher noch die große Unbekannte ist als das dereinst vom Postminister erhoffte große kommerzielle Kommunikationsspiel zwischen Konsumenten und Konzernen.