Verwirrung den Franzosen – so lautete ein Trinkspruch der britischen Navy in ihrem langen Kampf gegen Napoleon. Der amerikanische Präsident Reagan scheint sich dieser Maxime entsonnen zu haben für das lange Abrüstungs-Poker mit den Sowjets. Will er den Kompromiß – der unweigerlich eine Beschränkung seiner ehrgeizigen SDI-Pläne erfordert oder will er ihn nicht? Bisher jedenfalls tappen die Verhandlungspartner in Genf und Moskau ebenso im dunkeln wie der amerikanische Kongreß und die Verbündeten. Auch das Tête-à-tête der Fachleute beider Supermächte auf einer Moskauer Datscha Anfang der Woche hat keine Klarheit gebracht.

Als brillante Taktik will mancher in Washington die Verwirrung ausgeben. Näher liegt jedoch eine andere Deutung: Der Präsident weiß selbst nicht, was er will. Er stiftet Verwirrung, weil er selbst verwirrt ist. Aber so läßt sich keine Seeschlacht gewinnen, geschweige denn Erfolg in Verhandlungen erzielen. Im Gegenteil: Reagans Schwanken gibt nur den Falken Leine. Sie werden ihn, wenn er so weitermacht, damit gewiß schon zu fesseln wissen. cb