Abendmode brachte dem Designer Erfolg / Von Sibylle Zehle

Vor ein paar Wochen kam die Chefredakteurin einer Modezeitschrift zu ihm. „Du, Manfred“, bat sie, „mach’ mir doch noch mal das Abendkleid. Du weißt schon, das mit den Schleifen.“ – Manfred Schneider beugt sich über den Tisch: „Verstehen Sie? Die Tante wollte nochmal genau das gleiche Kleid, das ich ihr vor einem Jahr genäht habe.“ Empört führt er das Glas Champagner zum Mund. „Nur in einem anderen Stoff. Das ist doch grauenvoll!“

Der Münchner Designer hat sich mit Abendmode seinen Namen gemacht. „Star of Evening wear“ nannte die International Herald Tribune den deutschen Schneider und lobte seine „specially lovely evening dirndl“. Kostbare Stoffe, wogende Roben, Rüschen gerafft, raschelnder Taft, Satin gepaspelt, Schleifen bestickt, Pompoms aus Tüll und Pailletten auf Seide – Abendkleider, so entdeckte der Berliner Tagesspiegel „mit der Romantik bayerischer Märchenschlösser, ein bisserl Habsburg, ein bisserl Wiener Hofburg und der Charme der Maria Theresia“.

Festspiel-Ausstattung.

„Ich hab’ ja alles durchgespielt“, sagt Manfred Schneider etwas matt. „In Salzburg bin ich immer dabei und Wiener Opernball natürlich ... es ist immer das gleiche.“ – „Auch die ganz engen Korsagen?“ – „Ach, hören Sie auf!“ – „Und diese ganz weiten Röcke?“ – „Vor Jahren schon!“ Er nimmt noch einen Champagnerschluck: „Ich hab’ wirklich keinen Bock mehr. Was soll ich denn noch machen? Ich hab’s satt, satt...“

Der Kellner kommt. Wir sitzen bei „Boettner“ in München. Ein schönes kleines Restaurant. Aber Manfred Schneider mag heute sein München nicht – „Was ist sie grell, diese Stadt!“ – und zu essen auch nur eine ganze Kleinigkeit. „Wer zahlt?“ fragt er leichthin. Und bestellt dann Kaviar.

„Schauen Sie, dahinten sitzt Lo Sachs. Gute Frau. Ich liebe Luxusfrauen, aber alles an ihnen muß gut, es muß understated sein. Stellen Sie sich vor, manchmal sehe ich ein Kleid von mir auf der Straße, und die Frau hat schlechte Haare, Schuhe, Tasche, alles falsch.“ Er schlägt die Hände von Gesicht. „Grauenvoll.“