Was die Menschenrechte betrifft, stellt die Teilrepublik Bosnien schon lange einen Schandfleck dar für ein Jugoslawien, das sonst auf europäische Salonfähigkeit großen Wert legt. In der bosnischen Strafanstalt Zenica wird jetzt, wie Augenzeugen berichten, Hasan Cengic, der 29jährige islamische Theologe aus Sarajewo, „systematisch festgemacht“.

Der politische Gefangene gehört zu einer Gruppe von zwölf islamischen Intellektuellen, die im Sommer 1983 in der bosnischen Hauptstadt Sarajewo wegen „konterrevolutionärer Tätigkeit“, „feindlicher Propaganda“ and „muslimischem Nationalismus“ zu Strafen von sechs bis 15 Jahren verurteilt wurden.

Cengic erhielt zehn Jahre Zuchthaus, die das Belgrader Bundesgericht Ende 1985 auf sechseinhalb Jahre reduzierte. Ungefähr zwei Millionen Jugoslawen gehören der bosnisch-muslimischen Volksgruppe an; seit Anfang der achtziger Jahre fürchten die herrschenden Kommunisten ein Übergreifen des islamischen Fundamentalismus aus dem Nahen Osten nach Bosnien. An dem eigentlich unpolitischen Cengic sollte ein Exempel statuiert werden.

Den folgenden Bericht erstattete ein kürzlich entlassener Mitgefangener von Hasan Cengic gegenüber dessen Freunden und Verwandten:

„Hasan Cengic ist schwer herzkrank. Bei den häufigen Herzanfällen wird sein Gesicht blau, seine Hände zittern, der ganze Körper verkrampft sich und ist schweißgebadet. Darauf werden die Wärter alarmiert, und die sperren ihn dann zur Beruhigung in eine Einzelzelle und verweigern jede ärztliche Hilfe. Cengic leidet auch an Tuberkulose, die er sich bei der Schwerarbeit in der Strafanstalt zugezogen hat. Er hat ständig Fieber, oft spuckt er Blut. Wenn er zum Arzt will, wird er deswegen disziplinarisch bestraft. Obwohl schwer krank, wird Cengic von den Gefängnisbehörden regelmäßig zur härtesten Arbeit in der Gießerei abkommandiert. Dort herrschen Temperaturen von 45 Grad und mehr, die Kleider müssen ständig mit Wasser Übergossen werden, um nicht Feuer zu fangen.

Cengic wird bei jeder Gelegenheit physisch und psychisch mißhandelt, beschimpft, verspottet, beleidigt, gedemütigt und auch geschlagen – zum Beispiel, wenn er seine Gebete verrichten will. Man setzt ihm gezielt Lebensmittel wie Blutwurst und Schweinefleisch vor, die für einen gläubigen Muslim verboten sind. Er ernährt sich meist von trockenem Brot und den seltenen Eßpaketen seiner Familie. Man gewinnt den Eindruck, daß der islamische Theologe Hasan Cengic systematisch fertiggemacht und liquidiert werden soll. Er befindet sich in akuter Lebensgefahr.“ A. K.