DIE ZEIT

Wenn der Kandidat im Regen steht

Wir kennen das Ritual inzwischen zur Genüge. Politische Schattenspiele und Profilierungsakte gehören zur Ferienzeit wie Verkehrsstaus und überhöhte Preise.

O sole mio!

Die Ruhestifter formieren sich. In Venedig wies die Stadtverwaltung sangesfrohe Gondelfahrer an, sie sollten nicht ständig die neapolitanische Weise „O sole mio“ für ihre Fahrgäste anstimmen, sondern statt dessen Werke aus dem lokalen Singgut zum besten geben.

Nicht für die Ewigkeit bestimmt

Immer schon gab es Mauern in der Geschichte. Aber ihr Daseinszweck war nicht stets der gleiche. Die Chinesen hatten ihre ersten Schutzwälle gegen räuberische Nomaden – die Vorläufer der Großen Mauer – schon tausend Jahre vor unserer Zeitrechnung errichtet.

Hin und her

Verwirrung den Franzosen – so lautete ein Trinkspruch der britischen Navy in ihrem langen Kampf gegen Napoleon. Der amerikanische Präsident Reagan scheint sich dieser Maxime entsonnen zu haben für das lange Abrüstungs-Poker mit den Sowjets.

Verdreht

Die Unionsparteien sind entschlossen, den bevorstehenden Bundestags-Wahlkampf mit der Ausländerfeindlichkeit zu bestreiten. Motto: Wer gegen „Asylanten“ ist, ist für CDU und CSU.

Zeitspiegel

Der Prozeß gegen vier weiße südafrikanische Soldaten, die wegen Mordes an einem schwarzen Zivilisten in Namibia angeklagt waren, wurde auf Anordnung des südafrikanischen Präsidenten Pieter Willem Botha eingestellt.

Worte der Woche

„Die Tatsache, daß in diesem Jahr wohl an die 100 000 Asylbewerber in unser Land strömen, von denen nur sehr wenige politisch verfolgt sind, hängt mit einer Asylpraxis zusammen, die alles in den Schatten stellt, was andere demokratische Länder für möglich halten.

Wolfgang Ebert: Schöne Heimat

Herr Ganzer, ein gutsituierter Herr, saß auf einer Parkbank und war in seiner Zeitung in das Asylantenproblem vertieft, als er plötzlich aufsah.

Pläne für den Tag danach

Nie davon reden, aber immer daran denken – diese politische Faustregel für die Behandlung brisanter Themen hat für die Bonner Koalition noch nie gegolten.

Bundestagsdelegation in Bulgarien: Die Wünsche der Kleinen

In der sonnendurchglühten Dobrudscha sieht der Präsident des deutschen Bundestages ein gewaltiges Karussell. Fünfzig Kühe rotieren langsam auf einer großen Scheibe, die Platz spart, während ihnen automatisch Milch abgezapft und gleichzeitig Futter zugeführt wird.

Im jugoslawischen Kerker

Was die Menschenrechte betrifft, stellt die Teilrepublik Bosnien schon lange einen Schandfleck dar für ein Jugoslawien, das sonst auf europäische Salonfähigkeit großen Wert legt.

CIA: Der Verrat des Verräters

Auf einer Reise nach Seattle spielten Edward Lee Howard und seine Frau Mary verschiedene Tricks aus ihrer CIA-Ausbildung durch, wie man Verfolger der Spionageabwehr abschüttelt.

Strafvollzug und Liberalität

Geht der Staat mit Verbrechern zu liberal um? Die Affäre um den Mord und Selbstmord im Hamburger Polizeipräsidium, die zum Rücktritt von Innensenator Rolf Lange und Justizsenatorin Eva Leithäuser führten, berührt auch die Zustände im Strafvollzug.

Auf dem Weg zum Gipfel

Anfang der Woche besuchte eine hochrangige amerikanische Delegation auf sowjetischen Wunsch Moskau, um über die unterschiedlichen Positionen beider Seiten in der Frage der Rüstungskontrolle zu sprechen.

DDR-Miniaturen (VIII): Es gibt wieder Mecklenburger

Amtlich sprechen sie, die höheren Amtsträger, immer noch vom "Bezirk" und dem, was dort vorgeht. Privat sagen sie dann manchmal, und die kleineren Leute sagen es immer, "bei uns Sachsen", "hier in Thüringen" oder sogar "wir Norddeutschen" (und damit sind in diesem Falle die Mecklenburger gemeint).

Heimatkunde: „Die stören das Bild“

Der fränkische Luftkurort Müggendorf bietet das Postkartenbild einer heilen Welt. Bis zum 11. Juli 1986. An diesem Tag geschah es, daß auf den ältesten Luftkurort der Fränkischen Schweiz ein schwarzer Fleck gestempelt wurde.

FDP in Niederbayern: Nicht bloß zuhören

Dietrich von Gumppenberg, Herr auf Schloß Bayerbach, FDP-Politiker, Wirtschaftsberater und mit einem 60-Prozent-Wahlergebnis in seiner Heimatgemeinde Rekordhalter der bayerischen Liberalen, ist ein wackerer Streiter.

Die SPD hat ein Konzept für den Ausstieg aus der Kernenergie. Darüber sollte sachlich diskutiert werden.: Nagelprobe für die Aufrichtigkeit

Abwimmeln und abwiegeln ist Trumpf. Otto Graf Lambsdorff, wirtschaftspolitische Autorität nicht nur in seiner FDP-Fraktion, wußte schon wenige Stunden, nachdem Volker Hauff (SPD) das in zwei Monaten erarbeitete Konzept für eine künftige Energieversorgung ohne Atomkraft vorgelegt hatte, was davon zu halten ist: „energiepolitisch unrealistisch, umweltpolitisch unverantwortlich, arbeitsplatzfeindlich und ein groß angelegter Versuch der Wählertäuschung“.

Das Wunder blieb aus

In Großbritannien ist die wirtschaftliche Bilanz der Thatcher-Zeit enttäuschend

Subventionen: Normale Unart

Daimler-Benz-Vorstand Werner Niefer betrachtet es als „üblichen Vorgang“, daß sich sein Unternehmen den Bau einer neuen Fabrik mit 120 bis 140 Millionen Mark aus der Staatskasse honorieren läßt.

Wolfgang Hoffmann:: Lieber in Verbindung bleiben

Während Postminister Christian Schwarz-Schilling auf teuren Hochglanzinseraten für „Mensch und Technik“ bei und in der Post wirbt, macht die Deutsche Postgewerkschaft gegen ihn mobil Die Gewerkschaft mit ihren 460 000 Mitgliedern plant einen heißen Herbst.

Bonner Kulisse

Der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesarbeitsministerium, Wolfgang Vogt, sieht die Situation der ausländischen Arbeitnehmer und ihrer Familien grundsätzlich positiv: "Wir sind in der Integrationspolitik auf dem richtigen Weg, denn die Eingliederung der ausländischen Arbeitnehmer in unsere Gesellschaft macht deutliche Fortschritte.

Frankreich: Das Ende des Überflusses

Die ersten kommen nach Ostern. In Massen treffen sie im August ein, und kaum hat der Herbst begonnen, sind sie wieder abgereist: die Besucher aus dem Nahen Osten, die besonders in und um Cannes nicht zu übersehen sind.

Australien: Rettung durch den Rotstift

Der beredte Paul Keating kommt immer wieder auf den entscheidenden Stichtag zu sprechen: Am 19. August zeige sich, ob der fünfte Kontinent Australien demnächst zur Dritten Welt gezählt werden muß.

Japaner vor den Toren

Hannibal ante portas“ hieß im Zweiten Punischen Krieg der Schreckensruf römischer Legionäre, die vor den Pforten ihrer Stadt einige Reiter der karthagischen Armee gesichtet hatten.

Grundsolide und profitabel

Vor zehn Jahren stand über einem Artikel an dieser Stelle: „Daimler drängt zur Spitze.“ Das war nicht falsch, aber etwas verfrüht.

Gastronomie: Geschichten aus dem Wienerwald

Friedrich Jahn ist wieder da – so als wären die vergangenen vier Jahre nur ein Spuk gewesen. Er gibt Interviews wie eh und je, mit einer Spur von Wehleidigkeit, aber voller unverdrossenem Optimismus, den Blick fest auf sein Wappentier, das Brathendl, gerichtet.

DEVISENSELLER

Der von den USA gegen die Mark und den Yen geführte Währungskrieg mit dem Ziel, über eine Dollarabwertung die eigenen Exportchancen zu verbessern und die Importe zu behindern, hat in den letzten Wochen zu einer Befestigung der Mark auf den internationalen Devisenmärkten geführt.

MANAGER UND MÄRKTE

Wenig Glück mit einem Alleingang hatte der Personalchef des Regensburger BMW-Werkes Gerhard Bihl beim Test eines neuen Arbeitszeitmodells.

ZEITRAFFER

Um den Grundstücksmarkt ist es ruhiger geworden. Die anhaltende Baukrise macht sich offensichtlich auch dort bemerkbar. So registriert das Statistische Bundesamt eine sinkende Zahl der Baulandkäufe im ersten Quartal 1986 gegenüber dem letzten Vierteljahr 1985: Die Käufe gingen um ein Fünftel auf 12 694 zurück.

Ein Verfassungsverstoß

Wichmann: Ämterpatronage ist die Besetzung von Amtsstellen nach Parteibuch oder – genereller formuliert – nach unsachlichen Kriterien.

FRIEDRICH II.

Vor zweihundert Jahren starb der Preußenkönig. Auszüge aus seinen Schriften und Anmerkungen von Zeitgenossen.

Filme

Die Vorausmeldungen klangen vielversprechend: Einer der wichtigsten amerikanischen Romane der zwanziger Jahre gab die Idee: Dashiell Hammetts „Red Harvest“.

Zeitmosaik

Helmut Kohl ist in guter Stimmung. Mit dem Wetter an seinem traditionellen Urlaubsort in St. Gilgen am Wolfgangsee hat er bisher „unheimliches Glück“ (Kohl) gehabt.

Schallplatten

Sie scheinen bei Hauskonzerten allenthalben beliebt zu sein: diese letzten deutschsprachigen Vertonungen, die der seit 1712 in London residierende Hallenser Komponist dort über zehn Jahre später für den Hamburger Dichter-Freund Barthold Heinrich Brockes konzipierte.

Was sind das für Helden!

Unglücklich das Land, das keine Helden hat!“ Der berühmte Satz des Andrea Sarti, gesprochen nach dem Widerruf Galileis in Bertolt Brechts Drama, hat durch einen Ausspruch des Bundesinnenministers Friedrich Zimmermann Aktualität gewonnen.

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