Von Gunhild Lütge

Die Meldung war kurz, die Wirkung um so größer: "Französische Regierung stimmt Fernmeldefusion zu." Die Branche geriet in Aufregung. Ein Milliardengeschäft wird neu verteilt.

Partner bei dieser Fusion sind der amerikanische Gemischtwarenkonzern ITT sowie das staatliche Unternehmen CGE, der größte Telephonbauer Frankreichs. Beide gemeinsam werden einen europäischen Riesenkonzern bilden; in dieser Branche den mit 20 Milliarden Mark Umsatz und 150 000 Mitarbeitern dann zweitgrößten auf der Welt.

Eurotel, so der vorläufige Name der europäischen Dachgesellschaft, wird auf einem der zukunftsträchtigsten Märkte agieren: die öffentliche und private Nachrichtentechnik. Allein die Fernmeldegesellschaften, teils privat, teils – wie in der Bundesrepublik die Post – staatlich organisiert, geben derzeit weltweit schon rund 100 Milliarden Mark jährlich dafür aus, damit Bürger telephonieren und Unternehmen Daten, Bilder und Texte in Sekundenschnelle rund um den Erdball schicken können.

In Zukunft werden sie noch mehr investieren. In vielen Ländern ist nämlich die komplette Modernisierung der Fernmeldenetze geplant. Die Mikroelektronik läßt Computer und Telephone zusammenwachsen. Irgendwann wird es möglich sein, mit einem Gerät zu telephonieren, Daten, Texte und bewegte Bilder zu übertragen. Völlig neue Apparate werden das traditionelle Telephon und die einfache Schreibmaschine in den Büros verdrängen – so stellen es sich jedenfalls die Hersteller vor.

Durch die Verschmelzung von ITT und CGE entsteht, so scheint es zunächst, ein schlagkräftiger Koloß auf diesem Wachstumsmarkt. Die ersten Reaktionen bestätigen das.

Nur wenige Stunden nach der Botschaft aus Paris meldete sich aus Stuttgart Helmut Lohr, Chef der Standard Elektrik Lorenz AG (SEL) zu Wort: "SEL begrüßt die Fusion", lautete sein Kommentar. Die schnelle Reaktion hat ihren besonderen Grund. Sein Unternehmen ist als bisherige ITT-Tochter unter französische Herrschaft geraten. Für Helmut Lohr brechen schwere Zeiten an.