Basel: „Bruce Nauman. Zeichnungen 1965-1986“

Mit den Zeichnungen umfaßt diese Ausstellung nur einen Teil einer Arbeit, die sich in zwei Jahrzehnten sehr unterschiedliche Möglichkeiten erobert hat: in Performance und Video, begehbarem Raum und Skulptur, Neon-Schrift und '-Bild. Doch die Zeichnung ist bei dem Amerikaner Bruce Nauman sozusagen eine Ideenküche. Und darum stellt sich die Retrospektive des zeichnerischen Werks, die aus dem Basler Museum für Gegenwartskunst kommt, nicht nur als ein wichtiger Ausschnitt, sondern auch wie ein Protokoll der Arbeit Naumans dar. Einer Arbeit, die schon durch die minimalistische Strenge ihrer Anfänge dem Betrachter aktives Sehen abverlangt und der es immer um die lebendige Wahrnehmung ging. Dabei erweist sich Bruce Nauman als ein ebenso wirksamer wie unbequemer Anreger mit einer ausgeprägten Neigung, gegen das Gewohnte zu handeln und Dinge auf den Kopf zu kehren: Von dem „Raum unter meinem Stuhl in Düsseldorf“, den er sich als Block-Plastik denkt und in Beton gießt, bis zu der Zeichnung von 1983, die von fern an Max Beckmanns Bild „Tod“ erinnert. Nie ist in Naumans Bild vom Leben etwas bloß an seinem Platz, sinnfest und unumstößlich. Im Buchstabenspiel verlängert sich das Wort „EAT“ (Essen) zu „DEATH“ (Tod). In dem neuen figürlichen Neon-Theater Naumans spielt sich das Handeln der leuchtstoffröhren-gezeichneten Schablonen-Menschen munter und automatisch zwischen Lust und Frust, Liebemachen und Einander-Umbringen ab. Seine Strategie heißt: Verunsicherung. Seine Arbeit ist eine Herausforderung für jeden, der ihr begegnet. (Kunsthalle bis 7. September, anschließend in Bonn, Rotterdam, München, Karlsruhe, Hamburg und in den USA; Katalog 35 Mark) Volker Bauermeister

Bielefeld: „Die Gegenwart der Farbe“

Die Moderne lehrte: Ein Bild sei nicht, was es abbildet, ein Bild sei exakt das, was es selbst ist. Ein Lehrstück dazu, eine Sehschule verspricht die Bielefelder Kunsthalle diesen Sommer ihren Gästen. Sie zeigt Bilder von sieben Schweizer Künstlern, deren Thema Farbe ist, nichts als Farbe. Nun, wen kann es verwundern? Gehört Farbe nicht zum Selbstverständnis in der Kunst? Farbe gehört zum schwierigsten, lernt man aber aus dem Katalog. Die Ausstellung beweist es. Gelbe Flächen, grüne Flächen, weiße Flächen (Donald Alberti); ein Triptychon aus übermannsgroßen Quadraten, gedämpftes gelb-rot-blau (Phil Sims); graue Schilde in verschiedensten Formen, die schlammigen Farbmassen fein mit einem Spachtel zisiliert (Rainer Jochims); dann große, dunkel verhangene Rechtecke, die nur in feinen Spalten hellere Farben durchblinken lassen (Johannes Gecceiilli). Mit Bienenfleiß wurde in all den Bildern die Farbe verteilt. Saubere Arbeit, möchte man sagen, und sucht zugleich nach einem Halt, um Sinn zu finden. Und wirklich, man findet Hilfsmittel. Die Formate etwa: Ein Künstler bevorzugt große Quadrate, der nächste kleine, ein anderer unregelmäßige Drei- bis Vielecke, wiederum ein anderer abgebrochene Kanten. Auch an den Werkzeugen kann man die Künstler unterscheiden. Nur einer (Markus Baldegger) fällt aus der Rolle: er konstruiert nicht, sondern fährt wild mit dem Pinsel über die Leinwand. Die technische Manipulation von Pigmenten – war es das, was mir der Titel der Ausstellung versprach? Oder liegt vielleicht noch ein Geheimnis in den Farbkonstruktionen verborgen? (Bielefelder Kunsthalle bis zum 31. 8. 86; Katalog 33 Mark)

Elke von Radziewsky