Wenig Glück mit einem Alleingang hatte der Personalchef des Regensburger BMW-Werkes Gerhard Bihl beim Test eines neuen Arbeitszeitmodells. Er wollte – vom Vorstand in München stillschweigend geduldet, aber nach außen hin auf eigene Verantwortung – für einen Teil der Belegschaft die 36-Stunden-Woche mit jeweils vier neunstündigen Schichten je Arbeitnehmer an vier Tagen erproben. Allerdings wollte Bihl dabei nur 36 Stunden bezahlen und nicht die volle Wochenarbeitszeit von 38,5 Stunden nach dem Tarifvertrag. Die bessere Ausnutzung der Anlagen sollte dabei also zunächst nur dem Unternehmen, nicht auch den Arbeitnehmern zugute kommen. Dies aber verkehrt den Sinn des seit über zwei Jahren auch in der Öffentlichkeit diskutierten „BMW-Arbeitszeitmodells“, bei dem sich durch einen veränderten Schichtenrhythmus drei Arbeitnehmer auf zwei Arbeitsplätzen abwechseln. Der Regensburger Betriebsrat zog zwar zunächst mit, wurde dann aber vom Gesamtbetriebsrat mit Kurt Golda an der Spitze zurückgepfiffen. Golda sah in dem Modell ein „Unterlaufen des Tarifvertrages“, ja er sprach schlichtweg von „Teilzeitarbeit“ und verlangte die „Beendigung des Experiments“. Schließlich einigten sich die Partner, wie man aus dem Hause BMW hört, auf einen „höheren Flexibilisierungsgrad“ im Werk Regensburg. Nun sollen mit der Betriebsaufnahme im Herbst abwechselnd an vier und an fünf Tagen zeitlich versetzt jeweils 8,5 Stunden in einer Schicht gearbeitet werden. Der freie Samstag wird in der Anlaufphase des Werks nicht angetastet. Nach Bihls 36-Stunden-Modell sollte er in die Schichtarbeit einbezogen werden.

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Nun hat die deutsche EDV-Branche drei Umsatzmilliardäre. Stolz meldete jetzt Hans-Joachim Novak, Finanzchef der deutschen Tochter des amerikanischen Computerunternehmens Digital Equipment (DEC), daß die Münchener Digital Equipment GmbH in dem am 30. Juni abgelaufenen Geschäftsjahr erstmals die Milliardengrenze beim Umsatz deutlich überschritten habe – mithin nach Siemens und Nixdorf der Dritte im Bunde sei. Nicht minder stolz ist man in der Münchener Zentrale auch darauf, daß das Umsatzwachstum mit 15 Prozent höher war als bei der amerikanischen Mutter. Den deutschen Computerbauern kam allerdings der niedrige Dollarkurs zugute, der die Importpreise beträchtlich drückte. So waren sie in der Lage, auch ihren Kunden Preisnachlässe zu bieten.

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Die Veba, viele Jahre lang das umsatzstärkste Unternehmen in der Bundesrepublik und erst 1985 auf Platz vier zurückgefallen, sackt weiter ab. Für die erste Hälfte dieses Jahres mußte jetzt Veba-Chef Rudolf von Bennigsen-Foerder eine Umsatzeinbuße von glatten vier Milliarden Mark bekanntgeben. Gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum kamen statt 24,6 Milliarden Mark nur noch 20,6 Milliarden Mark in die Kasse – ein Minus von zwanzig Prozent. Dabei gab es in nahezu allen Sparten des Konzerns Einbußen. Selbst bei der Stromerzeugung, dem Paradepferd der Veba, gingen Produktion und Umsatz zurück, Wesentlicher Grund für die Einbußen ist der Preisverfall auf dem Ölmarkt. Das traf vor allem die Sparte Mineralöl, die 2,1 Milliarden Mark weniger einfuhr und so über die Hälfte des Umsatzrückganges beim Veba-Konzern verursachte. Doch, Trost findet von Bennigsen-Foerder in einer anderen Zahl: Ganz anders als die Umsätze kletterte der Konzerngewinn in der gleichen Zeit von 295 Millionen auf 303 Millionen Mark.

Dichtung und Wahrheit vermengen sich in neuen Spekulationen um die Zukunft des gewerkschaftseigenen Wohnungs-Konzerns Neue Heimat. „Frei erfunden“, kommentierte DGB-Vorstandsmitglied Helmut Teitzel, für das Gewerkschaftsvermögen zuständig, eine Meldung des Springer-Blattes Bild am Sonntag. Das Blatt hatte berichtet, daß der Deutsche Gewerkschaftsbund „nach den Wahlen“ Aktien der Bank für Gemeinwirtschaft und der Versicherungsgesellschaft Volksfürsorge an der Börse verkaufen wolle, um mit dem Erlös einen Konkurs der Neuen Heimat zu verhindern. Daß die Beteiligungsgesellschaft für Gemeinwirtschaft AG (BGAG) die Ausgabe von Aktien der beiden Gewerkschaftsunternehmen über die Börse vorbereitet, ist nicht neu. „Wir werden“, sagte BGAG-Chef Alfons Lappas im Juni, „unsere gemeinwirtschaftlichen Unternehmen nun auch für Kapitalanleger öffnen.“ Lappas hatte dies in vorsichtigen Worten vorher schon auf dem 13. DGB-Kongreß angedeutet, ohne auf Widerspruch zu stoßen.

„Frühestens im kommenden Jahr, vielleicht auch erst 1988, werden die Aktien am Markt sein“, erklärt BGAG-Sprecher Karl-Heinz Stanzick jetzt. Dabei bestritt er einen Zusammenhang dieser Pläne mit den Verhandlungen über die Neue Heimat.

Die Gläubiger der Neuen Heimat hatten bis zum Ende dieses Jahres auf eine Kreditrückzahlung verzichtet, wodurch zwei Milliarden Mark Schulden aufgelaufen sein sollen. Am 25. August treffen sich die 150 Gläubiger zu neuen Verhandlungen über eine Lösung. Dabei ist eine Verlängerung des Moratoriums im Gespräch, wobei die BGAG die Liquidität des Wohnungs-Konzerns sicherstellen soll, damit kein Konkurs eintritt. Nach Informationen der Börsen-Zeitung muß die Neue Heimat in diesem Jahr mit einem Verlust von 600 Millionen Mark rechnen. Bernhard Blohm