Regensburg

Dietrich von Gumppenberg, Herr auf Schloß Bayerbach, FDP-Politiker, Wirtschaftsberater und mit einem 60-Prozent-Wahlergebnis in seiner Heimatgemeinde Rekordhalter der bayerischen Liberalen, ist ein wackerer Streiter. Mal zieht er gegen „kommunale Sündenfälle“ ins Feld, mal gegen die Benachteiligung der FDP in niederbayerischen Kreistagen. Jetzt ficht er vor dem Verwaltungsgericht in Regensburg – für sich selbst. Denn weil er den Regierenden im weißblauen Freistaat so unbequem wurde, versuchen sie nun, den Freiherrn aus Gemeinderat und Kreistag zu drängen.

Ein fein renoviertes Schloß mit 40 Zimmern, ein Porsche mit Katalysator – Dietrich von Gumppenberg ist durchaus der Typ „erfolgreicher bayerischer Landedelmann“. Und es kann schon mal passieren, daß der 45jährige Politiker den behäbigen Verwaltern des Landes auf die Füße tritt. Wie im Streitfall um die Geschäftsordnung des Kreises Landshut. Wann immer der Kreisausschuß, das wichtigste Gremium nach dem Kreistag, zu Sitzungen zusammentrat, fand sich FDP-Kreisrat Gumppenberg auf der Zuhörerbank wieder, während CSU und SPD selbstverständlich mitentscheiden durften, ja, in dem Gremium sogar Nicht-Mitglieder auftreten ließen.

„Das ist ungerecht: die Großen dürfen zu allem reden, wir Kleinen überhaupt nicht“, protestierte Gumppenberg und beschloß, die Zurücksetzung seiner zwei Mann starken Nicht-Fraktion nicht länger zu dulden. Zuerst beschwerte er sich bei der Regierung von Niederbayern. Die versicherte ihm zwar, es seien „die notwendigen Schritte eingeleitet“ worden, doch der Landkreis Landshut stellte sich stur. Als der Regierungsbescheid vom 23. Mai 1985 zur Änderung der Geschäftsordnung am 10. März 1986 noch immer nicht in die Tat umgesetzt war, platzte dem Freiherrn der Kragen. Gumppenberg erhob beim Innenministerium in München Dienstaufsichtsbeschwerde gegen den niederbayerischen Regierungspräsidenten Gottfried Schmid. Die wurde erwartungsgemäß zwar abgeschmettert, doch im Mai 1986 wurde endlich die Kreissatzung geändert.

Der Streit war damit nicht zu Ende. Inzwischen waren nämlich Rechercheure der niederbayerischen Regierung ausgeschwärmt, um zu prüfen, ob der Freiherr wirklich in Bayerbach wohne. „Die von uns eingezogenen Erkundigungen“, gab der Regierungsdirektor Reither später bekannt, hätten ergeben, daß Gumppenberg und Familie „lediglich in unregelmäßigen Abständen nur Wochenenden in Bayerbach“ verbrächten. Ansonsten arbeite und wohne er in München, habe also im Gemeinderat und Kreistag nichts zu suchen. „Rote Karte für FDP-Kreisrat Gumppenberg“ frohlockte schon die konservative Passauer Neue Presse, während der Freiherr der Regierung ob der detaillierten Kenntnisse seines Lebensstils „Schlafzimmer-Schnüffelei“ vorwarf.

In seiner Klage jetzt vor dem Verwaltungsgericht beruft Gumppenberg sich auf ein Urteil aus dem Nachbarkreis Kelheim: Dort wurde beim Nachzählen der Wahlzettel zwar der FDP ein weiterer Kreistagssitz zugesprochen, der nun unrechtmäßig im Gremium sitzende CSU-Mann wurde aber nicht heimgeschickt. Er genieße „Vertrauensschutz“, hieß es im Urteil, denn er sei schon vier Monate lang Kreisrat gewesen, ehe – übrigens auch auf Druck Gumppenbergs – die Schlamperei beim Auswerten der Wahlzettel auf-fiel.

Dietrich von Gumppenberg besucht weiter die Sitzungen, in denen er nicht sein soll. Und sein Schloß bewohnt er noch immer regelmäßig. Nur die Lust an der Politik in Niederbayern ist ihm etwas vergangen. Zur Landtagswahl am 12. Oktober kandidiert der FDP-Mann im Münchner Stadtteil Harlaching. Rolf Henkel