Die Ruhestifter formieren sich. In Venedig wies die Stadtverwaltung sangesfrohe Gondelfahrer an, sie sollten nicht ständig die neapolitanische Weise „O sole mio“ für ihre Fahrgäste anstimmen, sondern statt dessen Werke aus dem lokalen Singgut zum besten geben. Und der Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg beschied, ein Straßenmusikant könne aus dem Grundrecht auf freie Berufsausbildung nicht das Recht herleiten, „zu jeder Zeit an jedem Ort beliebig zu musizieren“; es handele sich vielmehr um eine „erlaubnispflichtige Sondernutzung“.

Gewiß, es sollte auch andere Gondellieder geben, auch nicht immer wieder dieselben Beatles-Songs an allen Ecken der Fußgängerzonen. Aber wenn es den Musikanten und den Zuhörern Freude macht? Sonst könnten die so reglementierten Sänger lieber schweigen. Nicht die Vielfalt der Künstler, sondern die Vervielfältigung der Elektronik füllte den Raum – amtlich gebilligte Liederkassetten in den Gondeln Venedigs, und bei uns der stille Tanz der Walkmänner, allein in der Menge, niemanden störend, aber auch niemandem nahe. -am