Von Jürgen Manthey

Für die vielen Romane vor und nach dem Ersten Weltkrieg, in denen das romantische Wanderschaftsmotiv noch einmal eine beträchtliche Rolle spielte, ist bezeichnend, daß ihre Helden Jugendliche waren. Wenn man sich bei den noch lange Zeit beliebten Büchern fragte, was denn später aus diesen Wanderern werden würde, wie gar ihr Alter aussähe, erhielt man keine Antwort.

All das, was diese Literatur der romantischen Gesellschaftsabkehr uns schuldig geblieben ist, bekommen wir nun von Hermann Lenz nachgeliefert in –

Hermann Lenz: „Der Wanderer“, Roman; Insel-Verlag, Frankfurt 1986; 286 S., 34,– DM.

Eugen Rapp, die Hauptfigur, ist knapp fünfzig, und das Wandern kann er sich nur noch selten leisten. Dabei ist er nicht weniger als seine romantischen Vorläufer für immer „draußen“, und das bezieht sich nicht bloß auf seine Vorliebe für den Aufenthalt in der Natur.

„Der Wanderer“ gehört als sechster Band in die Romanserie um Eugen Rapp. Man kann das Buch aber sehr gut auch ohne die Kenntnis der vorangegangenen Bände lesen, ja, „Der Wanderer“ ist eine das Wesen der Existenz dieses Eugen Rapp besonders gut treffende und eindringlich wiedergebende Erzählung.

Eugen Rapp ist – wer nur ein bißchen vom Autor weiß, erkennt es sofort – dieser selbst, und das macht die von dem Schriftsteller Lenz ironisch und melancholisch in Distanz gehaltene Autobiographie so sympathisch und reizvoll zu lesen. Es ist nicht bloß Romanstoff, was zu dem romantischen Sujet ja passen würde, sondern literarische Selbsterfahrung, in eben dieser, das eine das andere scheinbar ausschließenden Kombination.