Zwölf Bundesministerien sind in der Bundesrepublik für Fragen des Tourismus zuständig. Jetzt verlangen die Standesorganisationen, daß die Bundesregierung die Arbeit besser koordiniert.

Otto Schneider, der Präsident des Deutschen Reisebüro-Verbandes (DRV), will Taten sehen. „Die Bundesregierung“, kritisiert er im DRV-Blatt „Das Reisebüro „hat schon zu lange damit gezögert, sich eine Gesamtschau des deutschen Tourismus zu erarbeiten, sich über die tatsächliche wirtschaftliche und politische Bedeutung des deutschen Tourismus ein umfassendes Bild zu machen. Das muß jetzt (!) geschehen.“

Im „Interesse von 30 Millionen deutschen Urlaubern“ (DRV) soll darum ein Bundestagsausschuß für Tourismus ins Leben gerufen werden, in dem „Abgeordnete Sitz und Stimme haben, die auch in anderen Bundestagsausschüssen tätig sind.“ Nur auf diese Weise, so der DRV, könne im Deutschen Bundestag eine gewisse Koordination der Fremdenverkehrsfragen erreicht werden. Ähnlich argumentiert der Vorsitzende des „Asr – Bundesverband für mittelständische Reiseunternehmen“, Albrecht Feibel. Er allerdings hält einen Staatssekretär für Tourismus für effektiver als einen Bundestagsausschuß.

Koordination in Bonn scheint ein Gebot der Stunde zu sein, denn zwölf Bundesministerien, die in die Tourismusbranche hineinreden und regieren, werden als zuviel empfunden. Da ist zunächst das in Tourismusfragen federführende Bundesministerium für Wirtschaft. Es ist unter anderem zuständig für die Deutsche Zentrale für Tourismus, für die Auslandswerbung und für touristische EG-Kontakte. Zugleich fungiert es als Hausherr des Berliner Kartellamtes, das zum Beispiel die geplante Fusion von ITS und NUR Touristic platzen ließ. Aber auch der innerdeutsche Fremdenverkehr ist bei Minister Martin Bangemann angesiedelt, ebenso ein Beirat für Tourismusfragen.

Von eminenter Bedeutung für die Urlaubsbranche ist auch das Bundesministerium für Verkehr, das letztendlich bestimmt, nach welchen Regeln, Gesetzen und oft auch zu welchen Preisen in der Luft, auf der Straße und auf dem Wasser geflogen und gefahren wird. Im touristischen Kompetenzdschungel mischt ferner das Bundesministerium für Landwirtschaft und Forsten mit, das die Verantwortung für „Urlaub auf dem Bauernhof“ trägt. Das Bundesministerium für Familie und Gesundheit hingegen nimmt sich speziell der Familienferien an, kümmert sich um den internationalen Jugendaustausch und fühlt sich auch für das Kurwesen zuständig.

Die Sicherheit auf Flughäfen fällt ins Ressort des Innenministers, hingegen befaßt sich beispielsweise das Finanzministerium mit der für die Reisebranche so wichtigen Frage, ob nun die Deutsche Lufthansa und das Deutsche Reisebüro privatisiert werden sollen oder nicht. Die Beamten des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit wiederum entscheiden (allerdings immer seltener), wie, wann, wo und mit wieviel Mark der Tourismus in den Entwicklungsländern gefördert werden soll.

Aber nicht genug der bürokratischen Verwirrungen. Das strenge deutsche Reisegesetz hat seine Heimat im Bundesjustizministerium, das Ministerium für innerdeutsche Beziehungen regelt den Reiseverkehr zwischen der DDR und der Bundesrepublik, und Norbert Blüms Ministerium für Arbeit und Soziales hat mit das Sagen im Reisebüro, wenn es zum Beispiel um die Mitbestimmung der Arbeitnehmer bei der Einführung neuer Technologien im Reisegewerbe geht. Zwölf Ministerien, zwölf Ansprechpartner für die Tourismusbranche lassen denn auch Otto Schneider stöhnen: „Niemand koordiniert deren Arbeit.“

Die Bonner Reaktion auf die Wünsche der Standesorganisationen bleibt indessen recht kühl. Genüßlich wird zum Beispiel im Wirtschaftsministerium der ehemalige Minister Karl Schiller zitiert, der auf ähnliche Forderungen der Reisebüros bereits 1969 im Bundestag gesagt hatte: „Meine Herren, dann können Sie ja gleich einen Staatssekretär für ‚Wasser warm‘ und ‚Wasser kalt‘ verlangen.“ RS