Mit drastischen Kürzungen im Budget will die Regierung die Wirtschaftskrise bekämpfen

Der beredte Paul Keating kommt immer wieder auf den entscheidenden Stichtag zu sprechen: Am 19. August zeige sich, ob der fünfte Kontinent Australien demnächst zur Dritten Welt gezählt werden muß. An jenem Dienstag, so weiß der australische Schatzkanzler, legt Premierminister Bob Hawk den Staatshaushalt fürs kommende Finanzjahr vor. In diesem mit Spannung erwarteten Papier wird die Labour-Regierung ihre Wende hin zu einem mehr oder minder harten Sparkurs festschreiben.

Keating zumindest will die Ausgabenseite des Budgets rigoros zusammenstreichen. Mit dem Rotstift in der Hand kommt er auf mögliche Einsparungen von weit über zwei Milliarden australischen Dollars. Damit könnte das Defizit für 1986/87 auf rund fünf Milliarden begrenzt werden. Als die umstrittensten Vorschläge gelten Kürzungen bei Pensionen, Familienbeihilfen und dem Arbeitslosengeld. Mit solchen Ankündigungen darf Keating nicht auf Beifall hoffen. Doch nach seinem Urteil führen langfristig nur harte Sparmaßnahmen aus der wirtschaftlichen Krise heraus, in der sich Australien derzeit befindet.

Die ökonomische Misere nahm ihren Lauf, als die Preise für Kohle, Wolle und Weizen in den Keller sackten. Ein böser Schlag für Australien: Landwirtschaftliche Erzeugnisse und Rohstoffe machen knapp achtzig Prozent der Exporte aus. Die Einnahmen im Außenhandel sanken rapide. Und weil die Australier wie eh und je einfuhrfreudig geblieben sind, wuchs das Leistungsbilanzdefizit ständig: Waren es im Finanzjahr 1982/83 noch 6,7 Milliarden australische Dollars, so wird das Minus mittlerweile mit 14,33 Milliarden beziffert. Als Folge büßte die australische Währung alleine in den vergangenen eineinhalb Jahren fast die Hälfte ihres Wertes gegenüber der Mark ein.

Als im April dieses Jahres die Leistungsbilanz wieder ein Rekorddefizit auswies, läutete Schatzkanzler Keating die Sturmglocken: Australien befinde sich „auf dem besten Weg zu einer Bananenrepublik“. Er appellierte an das Verantwortungsgefühl von Arbeitgebern wie auch Gewerkschaften und mahnte generell eine bessere Arbeitsmoral an. Nicht ganz so drastisch, aber ebenso eindringlich, redete Premierminister Bob Hawk seinen Landsleuten während einer außerplanmäßigen Fernsehansprache ins Gewissen: Die Australier hätten in jüngster Zeit über ihre Verhältnisse gelebt und müßten lernen, den Gürtel enger zu schnallen. Sie könnten nicht davon ausgehen, das Ausland finanziere auf ewig das Defizit in der Leistungsbilanz. Alleine die Zinszahlungen im Rahmen der Auslandsverschuldung machten im Finanzjahr 1984/85 schon ein Drittel der Exporterlöse aus – vier Jahre zuvor waren es nur 8,3 Prozent. An die Adresse der Gewerkschaften gerichtet meinte Labour-Chef Hawk: Sie müßten kurzfristig sinkende Reallöhne akzeptieren; der verarbeitenden Industrie schrieb er ins Stammbuch, sie sollte aktiver werden im Export.

Ursprünglich hatte sich die Regierung in Canberra aufgrund der Dollar-Abwertung eine Verbesserung der Leistungsbilanz erhofft – dank der verteuerten Einfuhren und einer günstigeren Wettbewerbslage auf den Exportmärkten. Mengenmäßig ist dieser Effekt schon eingetreten, wertmäßig jedoch nicht. Der Grund: Die Steigerung der Exporte ist hauptsächlich auf Güter beschränkt, deren Preise am stärksten gefallen sind. Die verarbeitende Industrie Australiens scheint nicht in der Lage, die Dollar-Abwertung gegenüber der Konkurrenz auf dem Weltmarkt zu nutzen. Langfristig gesehen setzt Hawk auf Hochtechnologie als Exportschlager. Daß dem fünften Kontinent hier noch sehr viel fehlt, zeigen die jüngsten Statistiken der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Unter den 24 OECD-Ländern zählt Australien zu den Schlußlichtern, was die Ausfuhr von Technologie anbelangt.

Ein Großteil der strukturellen Probleme auf der Einfuhrseite hat psychologische Ursachen. Es fehlt nicht an erstklassiger Forschung und an Erfindungen; das Umsetzen in kommerzielle Erfolge funktioniert nicht. Australische Erfinder sind in der Regel gezwungen, ihre Idee von ausländischen Firmen vermarkten zu lassen. Die meist nordamerikanischen Unternehmen exportieren dann die daraus entwickelten neuen Produkte für teures Geld wieder nach Australien. Negativ schlägt daneben ein weiteres Phänomen zu Buche: Australier ziehen importierte Güter häufig kritiklos den einheimischen Produkten vor. Premierminister Hawk ist denn auch mit seinem Appell „Kauft australisch“ auf wenig Resonanz bei seinen Landsleuten gestoßen.