Georg Friedrich Händel: „Deutsche Arien“

Sie scheinen bei Hauskonzerten allenthalben beliebt zu sein: diese letzten deutschsprachigen Vertonungen, die der seit 1712 in London residierende Hallenser Komponist dort über zehn Jahre später für den Hamburger Dichter-Freund Barthold Heinrich Brockes konzipierte. Obwohl der für Händels damalige Opern- und Oratorienphase ziemlich aus dem Rahmen fallende Zyklus (für Sopran, ein Melodieinstrument und Basso continuo) zu dessen Lebzeiten nicht im Druck erschien, ist dennoch zeitgenössisch verbürgt, daß die „Neun deutschen Arien“ der Hamburger Musikautorität Johann Mattheson „in einer ungemein enggeschriebenen Partitur“ zugeschickt und danach im Haus des Dichters und Auftraggebers aufgeführt worden sind. Alle haben Da-capo-Form und entsprechen dem alten höfisch-kammermusikalischen Ideal „submissa voce“. Die Neuaufnahme mit Emma Kirkby, die den intimen Charakter der unterschiedlichen Stücke mit blendender Technik und hoher Gesangskunst genau trifft, sowie mit dem Ensemble „London Baroque“, das zur Abwechslung die Violinsonate F-Dur op. 1 einstreut, ist brillant – ein Hit für Kenner. (EMI CDC 7 47400 2) Peter Fuhrmann

Van Morrison: „No Guru, No Method, No Teacher“

„Common One“, Morrisons Meisterwerk von 1980, war geprägt von einer Art pantheistischer Naturmystik. Hier sind die religiösen Unterströmungen eher personalisiert, singt der „Belfast Cowboy“ vom Vater, dem Sohn und dem Heiligen Geist, und der von der Sommersonne beschienene Garten wird zur Kirche, in der „... we felt the presence of the Christ“. Der bekennerhafte Charakter dieser Lieder ist nicht zu überhören. Andererseits sind viele Anspielungen nur für den verständlich, der vertraut ist mit dem Gesamtwerk des irischen Sängers. Da werden Themen früherer Schaffensperioden fortgesponnen, ist manches stilistisch auch Selbstzitat. Im übrigen war klangsinnlicher produzierte Rockmusik lange nicht mehr zu hören. (Mercury 830 077-1)

Franz Schöler