Vulkanausbrüche verursachen das regelmäßig gegen Ende des arktischen Winters (unseres Sommers) über dem Südpol auftretende große Loch in der 15 bis 50 Kilometer hohen Ozonschicht, die den Globus umhüllt (siehe ZEIT Nr. 30/86). Dies haben Untersuchungen an der Abteilung für Stratosphärenforschung im Institut für Meteorologie der Freien Universität in Berlin ergeben. Professor Karin Labitzke, Leiterin der Abteilung, hält insbesondere die Ausbrüche des nordamerikanischen Mount St. Helens im Mai 1980 und des mexikanischen El Chichon im April 1982 für die Hauptschuldigen an der drastischen Verdünnung der stratosphärischen Ozonhülle, die seit Anfang der achtziger Jahre beobachtet wird und sich zuletzt über ein Gebiet von der Größe der Vereinigten Staaten erstreckt hat.

Bei vulkanischen Eruptionen schießt ein Aerosol, bestehend aus Asche, Wasserdampf, Schwefelgasen und Schwefelsäure in die Höhe; es sammelt sich im Laufe der Zeit vor allem über den Erdpolen. Das in der Luft feinverteilte Stoffgemisch verstärkt den in jedem Winter in der Antarktis entstehenden Polarwirbel – eine Art stratosphärisches Sturmtief – und kühlt ihn überdies ab. Dies verzögert die Umstellung vom Winter auf den Sommer, erklärt Frau Labitzke, ein Phänomen, das in den letzten Jahren deutlich registriert worden ist. Entsprechend verzögert sich die Neubildung des Ozons.

Das stratosphärische Ozon muß ständig „nachgefüllt“ werden. Dafür sorgt ein komplizierter photochemischer Prozeß, der von der ultravioletten Sonnenstrahlung in Gang gehalten wird. Er kommt während des sonnenlosen Polarwinters zum Stillstand. In dieser Zeit „bohrt“ der Polarwirbel das Loch in den Ozonschirm. Erst mit dem UV-Licht der Sonne kann die Ozonproduktion wieder anlaufen. Das ist aber erst möglich, wenn sich der Polarwirbel „beruhigt“ hat. Just dies tritt seit etwa fünf Jahren verspätet ein.

Der Ozpnschirm schützt Lebewesen vor allzu starker – unter Umständen schädlicher – UV-Bestrahlung. Das arktische Leben scheint davon, daß dieser Schirm regelmäßig gegen Winterende „einreißt“, keinen Schaden zu erleiden. -ow