ARD, Montag, 18. August, 20.15 Uhr: "Schafkopfrennen" von Franz-Xaver Sengmüller und Bernd Fischerauer

Vielleicht kann man sich Niederbayern dieser terra incognita gar nicht anders nähern, als Bernd Fischerauer und Franz-Xaver Sengmüller im "Schafkopfrennen" tun: auf dem Umweg über Dallas. Die Großbauern des ostbayerischen Hügellandes sind mindestens so aufregend wie die texanischen Ölbarone und dem Fernsehpublikum wenigstens so fern wie die Nuba im dunklen Afrika.

Zwei ungleiche Brüder verkörpern Tradition und Fortschritt in dieser fünfteiligen Serie zur besten Sendezeit: Lukas Schantl ist Grasbahn-Rennfahrer und ein rechter Hallodri, Paul ist der ordentliche Bauer, der es zu was gebracht hat und noch mehr will – das Erbteil von Lukas nämlich. Der aber zieht sich aus dem Renngeschäft zurück und investiert in eine fashionable Diskothek namens "Saustall". Seine Äcker und den alten Hof verkauft er an den zugereisten Biogenetiker Dr. Knut Jansens, der zurück zur Natur will und zum alternativen Landbau.

So bekommt Paul einen Preußen zum Nachbarn, der aus einer glanzvollen Karriere ausgestiegen ist und hier im Süden allein ohne Frau aber mit der kleinen Tochter neu anfangen will. Der hereingeschneite Wissenschaftler möchte den Bauern, die das Getreide noch immer gegen Unkraut spritzen, gern zeigen, wie man es richtig macht. Während Paul PS-stark auf seinem Traktor daherdonnert, schreitet der Studierte den eigenen Acker als vorindustrieller Sämann ab. Eine lächerliche Figur, allein auf chemiebehandelter Flur, Der Konflikt ist programmiert, die Lösung auch: Jansens verliebt sich in Schantls Schwester Katharina, die gleichzeitig des Töchterleins neue Lehrerin ist.

Man kann sich gut vorstellen, welche Gedanken die Drehbuchautoren bei ihrem Projekt bewegten: Eine Dokumentation über alternative Landwirtschaft lockt keinen Hund mehr hinter dem Fernsehsessel hervor – da gehen wir lieber beinhart in die Vollen und drehen einen niederbayerischen Western mit viel Schicksal, Bruderzwist, Geld, einem Preußen und einem schönen Happy-End. (Keine Bange, der Regisseur Fischerauer liebäugelt bereits mit einer Fortsetzung.) Die Guten sind gut, und die Bösen sind nicht so schlecht, daß sie nicht für immer neue Aufregung sorgten. Sogar Indianer gibt es, böse Halbstarke auf schweren Motorrädern, die ihre Lehrerin drangsalieren, weil sie sich mit dem geschiedenen Jansens einläßt.

Gedicht, getan, und siehe da, es läuft wie geschmiert, wie ein Readymix aus Gottheit, Raimund, Anzengruber und Ganghofer; ein bißchen Martin Sperr ist auch hineingeführt. Der Autor der Jagdszenen aus Niederbayern" hat seinen Auftritt als schmieriger Kredithai, der den Schantl Lukas endgültig ruiniert, bis dem nichts anderes übrigbleibt, als den Hof seines Nachfolgers anzuzünden.

Der Komödienstadel, der so gern die große Schaubühne wäre, läßt kein Klischee aus. Und weil ein Klischee immer recht hat, werden hier alle möglichen so lange wiedergekäut, bis es auch der letzte glauben muß: in Niederbayern ist mords was los, da tobt die Dramatik – dem Zuschauer wird nichts geschenkt. Aber selbst wenn er alles kennt und alles nur mehr sehr lächerlich findet, freut er sich doch wie ein Kind, wenn es donnert und blitzt und pausenlos einschlägt. Ah ja: Auf dem Land tun sich Abgründe auf, die der ahnungslose Städter dort nicht im Traum vermutet hätte. Willi Winkler