Weinbergschnecken schießen bei ihren Liebesspielen einen etwa zwei Zentimeter langen Kalkpfeil auf ihren Partner ab – und werden selbst von dessen Pfeil getroffen. Denn Weinbergschnecken sind Zwitter, also zugleich Amor und Psyche, und können Gleiches mit Gleichem vergelten.

Das spitze Geschoß bohrt sich in ihre Körperwand und kann, wenn es unglücklich auftrifft, sogar die Eingeweide verletzen. Was die Schnecken mit dieser sehr eindringlichen Werbung erreichen wollen, zeigt der amerikanische Zoologe D. Chung in der Fachzeitschrift Journal of Experimental Zoology: Neben dem muskulösen Köcher, der die Kalkpfeile bildet, liegt eine Schleimdrüse. Ihr Sekret bedeckt den abgeschossenen Pfeil und dringt mit ihm in den Körper des Partners ein. Dort wirkt es als Aphrodisiakum.

Vom Liebespfeil getroffen, stülpt die Schnecke ihr Begattungsorgan aus und gibt ihr Sperma ab. Der für die Weinbergschnecke so aufregende Stoff scheint ein Eiweiß zu sein; denn durch Enzyme, die Eiweiße zerstören, verliert der Schleim seine Wirksamkeit. D. K.